Biblis-A (KWB-A)

Allgemeine Daten

Reaktortyp/Baureihe:

Druckwasserreaktor 2. Generation

Hersteller:

KWU

Nennleistung:

1225 MW Brutto / 1146 MW Netto

Inbetriebnahme (Erstkritikalität):

16.7.1974

Standort:

Biblis, Landkreis Bergstraße, Hessen

Zuständige Aufsichtsbehörde:

Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz (HMULV)

Reststrommenge lt. Atomkonsens zum 31.12.2005:

20,68 TWh

Durchschnittliche Erzeugung 2000-2005:

8,26 TWh pro Jahr

Prognose Stilllegung nach Atomkonsens:

Jun 2008

Quelle: Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Überprüfungstagung im April 2005 www.bfs.de/kerntechnik/cns2005_deu.pdf S.127ff.; RWE, www.rwe.com/generator.aspx/property=Data/id=231998/b-kkw-biblis-d-pdf.pdf, S.15; BMU, Bekanntmachung nach §7 Abs. 1c Satz 4 AtG; Eigene Berechnungen

Betreiber

Betreiber:

RWE Power AG

Eigentümer:

RWE Power AG (100%)

Vorstand:

Jan Zilius (Vorsitzender)
Dr. Gerd Jäger (Ressort Kernkraftwerke und regenerative Energien)

(Quellen: Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Überprüfungstagung im April 2005 www.bfs.de/kerntechnik/cns2005_deu.pdf S.127ff.; Homepage des Betreibers, www.rwe.com, März 2006)

Zwischen- und Interimslager

Informationen zum Zwischen- und Interimslager für abgebrannte Brennelemente

Schwachstellen

Fehlendes Notstandssystem

Biblis A und B sind die einzigen Atomkraftwerke in Deutschland, die nicht über ein unabhängiges Notstandssystem verfügen. Ein solches System enthält wichtige Sicherheitsfunktionen wie Notkühlung und Abschaltung, die bei Zerstörung wichtiger Anlagenteile durch Erdbeben, Flugzeugabsturz oder Anschläge den Reaktor unter Kontrolle bringen sollen, und ist bei neueren AKW von Anfang an vorgesehen und in einem unabhängigen, verbunkerten Gebäude untergebracht.

Die Nachrüstung eines verbunkerten Notstandssystems würde für beide Blöcke rund 450 Millionen Euro kosten. Der Betreiber RWE setzt statt dessen auf so genannte "Blockstützung", d.h. bei solchen Störfällen sollen Sicherheitssysteme des jeweils anderen Blocks einspringen. Diese Lösung ist jedoch problematisch, da von äußeren Einwirkungen wie Erdbeben, Stromausfällen oder Anschlägen leicht beide Blöcke betroffen sein können - dann würden die Notstandssysteme evtl. nicht mehr oder nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. In der Vergangenheit ist es bei Störfällen oder Wartungsarbeiten bereits des Öfteren zu Ausfällen der Sicherheitsfunktionen für den jeweils anderen Block gekommen.

(Helmut Hirsch, Oda Becker: Risiko Restlaufzeit - Die Probleme und Schwachstellen der vier ältesten deutschen Atomkraftwerke, Schwerpunkt Biblis-A; erstellt für Greenpeace Deutschland, Juli 2005; Helmut Hirsch: Atromstrom 2000: Sauber, sicher, alles im Griff?; erstellt im Auftrag des BUND, November 1999)

Hohes Risiko in der Probabilistischen Sicherheitsanalyse (PSA)

In der probabilistisch Sicherheitsanalyse (PSA) wird versucht, die Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter Schadensereignisse abzuschätzen. Bei deutschen AKW werden PSA im Rahmen der periodischen Sicherheitsüberprüfungen erstellt. Auch wenn die so ermittelten Werte mit Vorsicht zu genießen sind, da die Analyse niemals alle Schadensszenarien berücksichtigen kann (bei den meisten deutschen AKW werden zum Beispiel bisher Auswirkungen von Bränden und externen Einwirkungen nicht analysiert), können die ermittelten Werte zu einem relativen Risikovergleich der AKW heran gezogen werden. Biblis A hält den traurigen Rekord für die rechnerische Häufigkeit von sog. Gefährdungszuständen (Plant Hazard States) und hat damit ein mehr als 10-mal höheres Risiko als neuere Reaktoren. Unter den derzeit in Deutschland in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken finden sich ähnlich schlechte Werte nur noch bei den Reaktoren Biblis B sowie Brunsbüttel.

Quellen: Übereinkommen für nukleare Sicherheit, Antworten auf an Deutschland gestellte Fragen zum CNS-Bericht 2002, www.bfs.de/kerntechnik/CNS_02_Antworten.pdf, S.48; Helmut Hirsch, Oda Becker: Risiko Restlaufzeit - Die Probleme und Schwachstellen der vier ältesten deutschen Atomkraftwerke, Schwerpunkt Biblis-A; erstellt für Greenpeace Deutschland, Juli 2005)

Mangelnder Schutz gegen Flugzeugabsturz

Biblis-A gehört zu den drei durch Flugzeugabstürze (insbesondere Terrorangriffe) am stärksten verwundbaren Atomkraftwerken in Deutschland. Seine Reaktorkuppel ist nur gegen den Absturz eines kleinen Sportflugzeuges ausgelegt. Alle anderen deutschen AKW sollen mindestens den Absturz eines Starfighters, die meisten neueren Anlagen einen wesentlich schwereren "Phantom"-Kampfjet überstehen. Diese schwächere Auslegung würde bei einem tatsächlichen Absturz oder Terrorangriff in jedem Fall ein wesentlich höheres Risiko eines Super-GAUs bedeuten, auch wenn es sich z.B. um einen voll getankten Passagierjet handelt, für den auch die neueren Reaktoren nicht ausgelegt sind.

Auch der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, hatte bereits im Februar 2002 aufgrund einer Studie der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) gefordert, Biblis-A wegen des Terror-Risikos zugunsten besser geschützter Reaktoren stillzulegen.

Quellen: Helmut Hirsch, Oda Becker: Risiko Restlaufzeit - Die Probleme und Schwachstellen der vier ältesten deutschen Atomkraftwerke, Schwerpunkt Biblis-A; erstellt für Greenpeace Deutschland, Juli 2005; Energie-Chronik, www.udo-leuschner.de/energie-chronik/040204.htm

Mangelnde Erdbebensicherheit

Für die Auslegung eines Atomkraftwerks bezüglich Erdbebensicherheit ist die Stärke des so genannten Bemessungserdbebens ausschlaggebend, d.h. des stärksten Erdbebens, das sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen im Umkreis von 200km der Anlage ereignen kann. Bis Ende der 1990er Jahre ging man von einer maximalen Stärke von 7,75 auf der MSK-Skala aus. Schon für ein solches Erdbeben sind viele Anlagenteile im Block A nicht ausgelegt. Ein Expertengutachten im Auftrag der Aufsichtsbehörde kam jedoch 1999 zu dem Schluss, dass tatsächlich mit stärkeren Belastungen gerechnet werden muss, d.h. die maximal wirkenden Kräfte können bis zum Doppelten der bisherigen Annahmen betragen. Eine Nachrüstung, damit der Reaktor solchen Kräften Stand halten kann, wird als praktisch nicht machbar angesehen.

Bereits einmal, im April 1992, musste Biblis-A wegen eines Erdbebens kurzzeitig abgeschaltet werden.

(Helmut Hirsch, Oda Becker: Risiko Restlaufzeit - Die Probleme und Schwachstellen der vier ältesten deutschen Atomkraftwerke, Schwerpunkt Biblis-A; erstellt für Greenpeace Deutschland, Juli 2005; Helmut Hirsch: Atromstrom 2000: Sauber, sicher, alles im Griff?; erstellt im Auftrag des BUND, November 1999; Energie-Chronik, 10.4.1992, www.udo-leuschner.de/energie-chronik/920410.htm)

Fehlende Rekombinatoren

Biblis-A ist das einzige AKW in Deutschland, das nicht über so genannte katalytische Rekombinatoren verfügt, die bei einer Kernschmelze in großen Mengen entstehenden Wasserstoff abbauen sollen. Wasserstoff bildet sich bei der Spaltung von Wassermolekülen durch die Strahlung, bildet explosionsfähige Gemische und führte z.B. 2001 zur Explosion eines Rohres im AKW Brunsbüttel und in Tschernobyl zur Explosion des Reaktors.

Allerdings kann zur Zeit auch nicht ausgeschlossen werden, dass solche Rekombinatoren selbst das Wasserstoffgemisch zünden könnten, womit sie genau die Explosion herbeiführen würden, die sie eigentlich verhindern sollen.

(Quelle: Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Überprüfungstagung im April 2005, www.bfs.de/kerntechnik/cns2005_deu.pdf)

Bauartbedingte Schwachstellen

Biblis A gehört zu den Druckwasserreaktoren der 2. Generation, zu der auch Biblis B, Neckarwestheim-I sowie Unterweser gehören. Diese Reaktoren (Alle Reaktoren der 1. Generation sind bereits abgeschaltet) weisen einige bauartbedingte Sicherheitsmängel auf. Hierzu gehört neben der schwächeren Auslegung des Sicherheitsbehälters insbesondere die geringere Redundanz und teilweise Vermaschung bei der Notstromversorgung.

(Quelle: Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Überprüfungstagung im April 2005, www.bfs.de/kerntechnik/cns2005_deu.pdf)

Chronik: "Vermeidung" von Nachrüstungen

Nach dem schweren Störfall 1987 beauftragte das Hessische Umweltministerium den TÜV Bayern mit einer kompletten Untersuchung der Anlage, die 1991 abgeschlossen wurde. Auf dieser Grundlage erließ das Ministerium (unter der damaligen CDU-Regierung) einen Katalog von insgesamt 55 Auflagen (sog. "Weimar-Auflagen"), von denen 49 die Anlagensicherheit betrafen, unter anderem zur Verbesserung der Erdbebensicherheit und des Brandschutzes.

Der Betreiber RWE spielte jedoch auf Zeit, klagte gegen sämtliche Auflagen und reichte Genehmigungsanträge zum Teil erst sehr spät ein. Die Sicherheit der Anlage Biblis wurde zwischen 1991 und heute immer wieder zum Spielball der Politik zwischen den wechselnden Bundes- und Landesregierungen.

Im Rahmen des "Atomkonsens" wurde für Biblis-A eine Sondervereinbarung getroffen (Anhang 2 der Konsensvereinbarung und Erklärung des BMU vom 29.8.2000). Sie sah ein Paket von 20 Nachrüstungsmaßnahmen vor, die das BMU als besonders vordringlich ansah, und die bis Ende 2001 umgesetzt werden mussten. Von 1999 bis zum Ende der Revision 2005 wurden insgesamt 57 Maßnahmen mit Gesamtkosten von 270 Mio Euro umgesetzt, von denen sich 30 auf "Weimar-Auflagen" bezogen. Wichtige Punkte wie das fehlende Notstandssystem und ein ausreichender Erdbebenschutz wurden allerdings nach wie vor nicht verwirklicht. Mit der Begründung, wegen der relativ kurzen Restlaufzeit seien die Kosten für die entsprechenden Nachrüstungen dem Betreiber nicht zuzumuten, erklärte sich das BMU im Rahmen des Atomkonsenses zu diesen Zugeständnissen bereit. Im Gegenzug sicherte das RWE zu, keine Strommengen auf Biblis A zu übertragen, den Reaktor nach Aufbrauchen der Reststrommenge (ca. 2008) also definitiv stillzulegen.

Trotzdem gab der Betreiber RWE im Februar 2006 bekannt, dass er erwäge, eine Laufzeitverlängerung durch Übertragung von Strommengen zu beantragen. Dies widerspräche nicht nur der obigen Vereinbarung - RWE bräuchte dafür auch eine Sondergenehmigung durch die Bundesregierung, da die Übertragung von neueren auf ältere Reaktoren nach dem Atomgesetz nicht ohne weiteres möglich ist. Die Übertragung der noch ungenutzten Strommenge des AKW Mülheim-Kärlich auf Biblis A ist zudem durch das Atomgesetz ausdrücklich ausgeschlossen. Ob RWE die Laufzeit für Biblis-A verlängern kann, ist somit eine politische Frage.

(Quelle: faz.net, www.faz.net/d/invest/meldung.aspx; BMU, Bekanntmachung nach §7 Abs. 1c Satz 4 AtG; Atomgesetz, Fassung vom 12.8.2005; Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen vom 14. Juni 2000, Anlage 2, www.bmu.de/atomenergie/doc/3642.php; Pressemitteilung des BMU, 30.8.2000, www.bmu.de/pressearchiv/14_legislaturperiode/pm/894.php; Pressemitteilung des BMU, 14.6.2002, www.bmu.de/pressearchiv/14_legislaturperiode/pm/1530.php; Hessischer Landtag, Drucksache 16/4215, starweb.hessen.de/cache/DRS/16/5/04215.pdf)

Auffällige Störfälle und sonstige Ereignisse

1987: Beinahe-GAU

Am 16.-17. Dezember 1987 schrammte das AKW Biblis-A bei einem Kühlmittelverlust-Störfall nur knapp an einem Super-GAU vorbei - einer der schwersten Störfälle in der Geschichte der Atomkraft in Deutschland. Ein Ventil, dass das unter hohem Druck stehende radioaktive Kühlwasser des Primärkreislaufes vom Notkühlsystem trennt, versagte beim Anfahren des Reaktors und schloss nicht, was von der Betriebsmannschaft aber über 16 Stunden lang nicht bemerkt wurde. Eine leuchtende Warnlampe auf der Leitwarte wurde von zwei aufeinanderfolgenden Schichten die ganze Zeit entweder übersehen oder für einen Defekt der Anzeige gehalten. Erst die dritte Schicht bemerkte den Fehler.

Statt den Reaktor sofort herunterzufahren, versucht die Betriebsmannschaft mit einem Trick, das Ventil zu schließen. Ein Kontrollventil, dass den Primärkreislauf von einer Messleitung trennt, die für den hohen Druck nicht ausgelegt ist, wird absichtlich geöffnet, um das defekte Ventil "durchzuspülen", was aber misslang. In der Folge strömten 107 Liter radioaktives Kühlwasser aus, gelangten über die Messleitung in den Ringraum außerhalb des Sicherheitsbehälters und von dort in die Atmosphäre. Nur durch Glück gelang es, das Kontrollventil gegen den hohen Druck wieder zu schließen. Wäre das nicht gelungen, hätte die Messleitung wegen des hohen Druckes platzen können, und ein Verlust großer Mengen Kühlmittel wäre unvermeidlich gewesen. Ein solcher Kühlmittelverlust kann zu einer Kernschmelze und damit zum Super-GAU führen.

Gelangt das Kühlmittel, wie in diesem Fall, aus dem Sicherheitsbehälters hinaus, können auch Notkühlsysteme nur noch begrenzt eingreifen, da ihnen das Kühlmittel verloren geht.

Der Unfall führte letztendlich zu der oben erwähnten Untersuchung durch den TÜV und die 49 Sicherheitsauflagen.

(Quelle: BMU, Meldepflichtige Ereignisse in Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen in der Bundesrepublik Deutschland, Jahresbericht 1987; Helmut Hirsch: Atromstrom 2000: Sauber, sicher, alles im Griff?; erstellt im Auftrag des BUND, November 1999; Mark Hibbs et al., NRC studying implications of unpublicized german reactor incident, Inside N.R.C., 5.12.1988, siehe www.grs.de/presse/echo_detail.html; Mark Hibbs et al., German officials defend Biblis accident precursor handling, Nucleonics Week, 8.12.1988, siehe www.grs.de/presse/echo_detail.html; Greenpeace, Atomunfälle in Deutschland, www.greenpeace.de/themen/atomkraft/atomunfaelle/artikel/atomunfaelle_in_deutschland/)

Hohe Strahlenbelastung des Personals

Eine Untersuchung des BBU und BUND auf Grundlage von Daten des Deutschen Atomforums von 2001 ergab, dass Beschäftigte von Biblis-A und B höheren Strahlenbelastungen ausgesetzt sind als Beschäftigte in ähnlichen AKW. Von 1993 bis 1999 habe die durchschnittliche "Kollektive Jahresstrahlendosis" (Strahlungsmenge, der das gesamte Personal im Laufe eines Jahres ausgesetzt ist) des Personals 4,89 Sievert (Biblis-A) bzw. 4,36 Sievert (Biblis-B) betragen. Der nächstniedrigere Wert wurde im AKW Unterweser mit 1,96 Sievert gemessen und am niedrigsten war die Belastung im AKW Lingen mit 0,14 Sievert. Die vom Atomforum genannte Belastung liegt zwar unterhalb des Grenzwertes, kann jedoch langfristig z.B. Leukämie verursachen.

2003: Konstruktionsfehler des Notkühlsystems

Im April 2003 wurde durch Zufall entdeckt, dass die Ansaugöffnungen des Notkühlsystems im so genannten Reaktorsumpf zu klein waren und nicht den Genehmigungsunterlagen entsprachen: statt den in der Genehmigung von 1975 festgelegten 7,3 Quadratmetern hatten sie nur einen Querschnitt von 5,9 Quadratmetern, bzw. nur 3 statt 5,9 Quadratmeter freie Öffnung.

Eine ausreichend große Ansaugöffnung ist wichtig, damit der Reaktorkern im Notfall mit genügend Kühlwasser versorgt werden kann, um eine Kernschmelze zu verhindern. Bei einem Beinaheunfall, der sich 1992 im schwedischen AKW Barsebäck ereignete, verstopfte losgerissenes Isoliermaterial die Ansaugöffnungen und blockierte so das Notkühlsystem. In Barsebäck kam es nur deshalb nicht zur Kernschmelze, weil der Reaktor noch mit sehr geringer Leistung lief und die Situation daher noch unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Der Fehler in Biblis-A war offenbar seit der Inbetriebnahme nicht bemerkt worden - auch dem TÜV war bei einer Inspektion der Ansaugöffnungen im Mai 1999 nichts aufgefallen. Das AKW lief also 28 Jahre lang ohne ausreichende Notkühlsysteme.

Auch die Betondecke über dem Sumpf war dünner als in der Genehmigung vorgesehen. Der Reaktor stand daraufhin neun Monate still, bis die Ansaugfläche wurde vergrößert und die Betondecke verstärkt waren.

Quellen: Pressemitteilung BMU, 25.4.2003, www.bmu.de/pressearchiv/15_legislaturperiode/pm/2103.php; Pressemitteilung BMU, 26.12.2003, www.bmu.de/pressearchiv/15_legislaturperiode/pm/5172.php

2004: Notspeisesystem zur Hälfte ausgefallen

Am 12. Juli 2004 standen wegen eines Freischaltungsfehlers zwei der vier Notspeisepumpen für zweieinhalb Stunden nicht zur Verfügung. Wegen der Auslegung des Notspeisesystems hätten die zwei verbliebenen Pumpen "gerade noch" zur Störfallbeherrschung ausgereicht - eine dritte Pumpe hätte also nicht ausfallen dürfen. Trotzdem sehen der Betreiber und die Aufsichtsbehörden "keine sicherheitstechnische Bedeutung".

Quelle: Pressemitteilung HMULV, 13.7.2004, www.hmulv.hessen.de

Stand: März 2006