Endlagersituation in Frankreich
Mit derzeit 58 AKWs produziert Frankreich über 75% seines Stroms in Atomkraftwerken. Entsprechend groß ist die Atommüllmenge. Da auch in Frankreich kein Endlager für hochradioaktiven Müll existiert, lagert er oberirdisch neben der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Für die Suche eines potentiellen Endlagers wurde in den 1990ern per Gesetz eine auf 15 Jahre angelegte Erforschung der Gesteinsformationen Granit, Ton und Salz vorgeschrieben.
Doch auch in Frankreich zeigt sich schnell, dass nicht geologische Verhältnisse oder Sicherheitskriterien für die Standortwahl ausschlaggebend sind: Aufgrund massiver Proteste an mehreren potentiellen Standorten wird heute nur in der kleinen Kommune Bure im Osten Frankreichs weiter gearbeitet. Hier, in dem relativ dünn besiedelten ländlichen und konservativen Raum, gibt es bislang wenig Widerstand und Millionen Forschungsgelder fließen über den EURATOM-Vertrag in die Region. Hier soll nun nur noch Tongestein zur dauerhaften Lagerung von Atommüll untersucht werden.
Bereits beim Abteufen von zwei Schächten gab es immer wieder technische Probleme, die zu einer Bauverzögerung führten. So ging das vorgesehene Untertage-Labor verspätet in Betrieb und musste innerhalb kürzester Zeit Ergebnisse liefern. Auf Basis dieser wissenschaftlich zweifelhaften Forschungsergebnisse verabschiedete das französische Parlament 2006 ein Gesetz über die unterirdische Lagerung des Atommülls. Von den 577 Abgeordneten waren lediglich 19 anwesend!
Da allein in Bure „geforscht" wird, kann das nur als politische Vorfestlegung auf diesen Standort gewertet werden.
Seit 2000 ist die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) an den Untersuchungen in Bure beteiligt. Bis 2011 sollen ca. 2,6 Millionen Euro ausgegeben werden. Interessant dabei ist, dass die BGR eigentlich Tongesteine für die dauerhafte Lagerung von Atommüll als nicht besonders günstig bewertet hat. Erst 2007 erklärte die BGR nämlich im Rahmen bundesdeutscher Untersuchungen über alternative Wirtsgesteine für die Atommülllagerung: "Das potentielle Wirtsgestein Tongestein weist gegenüber Steinsalz für die Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen insgesamt ungünstigere Eigenschaften auf".
Während Frankreich also auf Tongestein als „sicheres“ Wirtsgestein setzt, hält man das in Deutschland für die schlechtere Wahl.

