Ohne Ende Gorleben?
Informationen über den Castor 2011
Aktueller Hintergrund: Obwohl die Frage der Eignung von Gorleben laut Bundesumweltministerium (BMU) noch immer offen ist, werden immer mehr strahlende Atommüllmengen für die dauerhafte Lagerung in Gorleben eingeplant. Bislang sollten in Gorleben vor allem hochradioaktive Brennelemente eingelagert werden, rund 44.800 Kubikmeter Atommüll. Jetzt soll sich offenbar die Menge verdreifachen und insgesamt 105.500 Kubikmeter eingelagert werden. Ein großer Teil soll abgereichertes Uran aus der Herstellung von Brennelementen sein. Noch vor wenigen Jahren galt diese strahlende Hinterlassenschaft als Wertstoff, wurde zur vermeintlichen Wiederaufarbeitung von der Urananreicherungsanlage in Gronau quer durch Europa nach Russland transportiert. Dort lagerte der Strahlenmüll unter abenteuerlichen Bedingungen. Massive Prostete sorgten schließlich dafür, dass die Verträge mit Russland gekündigt wurden.
Im nächsten Jahr will das BMU eine vorläufige Sicherheitsanalyse für Gorleben vorlegen. Alle bisherigen Untersuchungen sollen dazu zusammengefasst und bewertet werden. Außerdem soll dargestellt werden, wo es aus Sicht des BMU noch forschungsbedarf gibt. Verantwortlich für diese Zusammenstellung ist u.a. Bruno Thomauske . Bis 2003 war er 20 Jahre beim Bundesamt für Strahlenschutz für Gorleben zuständig, galt als einer der heftigsten Befürworter der Endlagerung. Dann wechselte er zum Atomkonzern Vattenfall, war dort für den Betrieb der AKWs Brunsbüttel und Krümmel zuständig. Als beide Reaktoren 2007 wegen erheblicher Störfälle vom Netz gingen, reagierte Vattenfall mit Halbwahrheiten, Lügen und Verharmlosungen. Verantwortlich dafür war vor allem dieser Bruno Thomauske: Nach massiven Protesten aus der Bevölkerung und der Politik musste Vattenfall ihn schließlich feuern. (mehr zu Thomauske 1 und 2)
2008 tauchte Thomauske als Leiter des Instituts für nuklearen Brennstoffkreislauf an der RWTH Aachen wieder auf. Ein Institut, das laut Tagesspiegel wesentlich vom Atomkonzern RWE finanziert wird.
Dieser Thomauske ist nun einer der maßgeblichen Mitverfasser der vom BMU beauftragten „vorläufigen“ Sicherheitsanalyse. Nicht nur der schwere Nebel von Filz nährt Zweifel, dass hier „ergebnissoffen“ geforscht und gearbeitet wird. Bereits 2004 hat Thomauske in der Zeitschrift „Atomwirtschaft“ eindeutig erklärt, dass zur Eignungsbewertung keine weiteren Erkundungsarbeiten mehr notwendig sind: „Der Eignungsnachweis, ob der Standort für hochradioaktive, wärmeent- wickelnde Abfalle geeignet ist, könnte schon heute erfolgen.“ (zitiert nach BT-Drucksache 17/6639 der Fraktion Die Grünen).
Kein Wunder, wenn vor diesem Hintergrund der für Ende dieses Jahres erwartete Entwurf für ein Endlagersuchgesetz nicht mehr sonderlich ernst genommen wird. Darin sollen – ohne auf Gorleben zu verzichten – weitere möglicherweise geeignete Standorte identifiziert werden. Denn der Vorwurf, dass niemals Alternativen zu Gorleben ernsthaft erkundet wurden, wiegt schwer. Mit diesem Gesetzentwurf will Umweltminister Röttgen der Öffentlichkeit suggerieren, dass er lernfähig ist und diese Kritik aufnimmt.
Ernst zu nehmen ist das nicht. Immer mehr Castorbehälter stehen bereits in Gorleben in Wartestellung und weitere kommen in den nächsten Jahren hinzu. Enorme Atommüllmengen lagern vollkommen ohne Entsorgungsnachweis in Russland und an anderen Standorten in Deutschland. Von der Atomwirtschaft bezahlte und festgelegte Fachleute: Ergebnisoffen ist da gar nichts. Klar ist vielmehr: Gorleben soll Atommülllager werden – egal wie es um die Sicherheit bestellt ist.
Gorleben - Als Atommüll-Lager nicht geeignet
Seit Ende der 70er Jahre ist der Salzstock bei Gorleben als sogenanntes Endlager für den hochradioaktiven Atommüll im Gespräch. Seitdem findet die sogenannte unterirdische Erkundung statt. (Mehr dazu)
Im Rahmen des Atomkonsenses hatte die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 ein Moratorium für die weitere Erkundung von Gorleben erlassen. Geplant war, dass bis dahin eine "ergebnissoffene Untersuchung alternativer Standorte und Lagermedien" endlich durchgeführt werden sollte. Bis heute ist das aber nicht geschehen.
Im März 2010 haben die schwarz-gelbe Bundesregierung und Bundesumweltminister Röttgen das Ende des Moratoriums angekündigt und dieses dann zum 1. Oktober auch umgesetzt. Trotz zahlreicher Sicherheitsbedenken soll nun weiterhin ausschließlich der Standort Gorleben erkundet werden. Die Menschen im Wendland reagierten darauf mit zahlreichen Straßenblockade am sog. "(Un-)Ruhetag". (Video, Fotos)
Alternative Standorte oder andere Formationen als Salz sind in der Bundesrepublik bis heute nicht auf ihre Eignung untersucht worden.
Inzwischen liegen zahlreiche Fakten vor, die klar machen, dass der Salzstock in Gorleben geologisch nicht geeignet ist. (Mehr dazu)
Außerdem liegen inzwischen Fakten auf dem Tisch, die zeigen, dass die Auswahl von Gorleben nicht nach Sicherheitskriterien, sondern aufgrund von politischer Einflußnahme der damaligen Bundesregierung (1983) erfolgt ist. Seit dem Frühjahr 2010 befasst sich mit dieser Einflußnahme durch die Politik ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages. (Mehr dazu)
In den Atommüll-Lagern ASSE II und Morsleben ist Salz ebenfalls als Endlagermedium benutzt worden. Beide Atommüll-Lager haben gravierende Sicherheitsrisiken in Bezug auf Wassereinbrüche und der Gefahr eines Einsturzes. (Mehr dazu)


