Gute Argumente gegen Stuttgart 21

ROBIN WOOD Hintergrund-Papier 7/2010 als pdf

Gute Argumente gegen Stuttgart 21

Stuttgart 21 – das Prestige-Bahnhofsprojekt der Stadt Stuttgart, der Deutschen Bahn und des Landes Baden-Württemberg, bringt mehr Nachteile als Vorteile. Das wissen die Stuttgarter_innen schon lange. Schon seit über zehn Jahren kämpfen sie gegen das Mega-Projekt, das Milliarden an Steuergeldern schlucken soll, ohne einen nennenswerten Vorteil für die Stadt oder die Bahn-Reisenden zu bringen. Stattdessen geht die Stuttgarter Innenstadt den Bach runter - für die nächsten 20 Jahre und darüber hinaus:

Stuttgart 21 ist ineffizient. Der Stuttgarter Hauptbahnhof zählt aufgrund seines ausgeklügelten Schienensystems zu den leistungsstärksten Kopfbahnhöfen in Europa. Der Kopfbahnhof kann mit seinen 16 Gleisen deutlich mehr Züge aufnehmen als der geplante unterirdische Durchfahrtsbahnhof mit acht Gleisen, so dass sich jetzt mehr direkte Umsteigeverbindungen herstellen lassen als in Zukunft. Das Konzept für den Tiefbahnhof S21 sieht außerdem vor, dass die Züge nicht länger als zwei Minuten im Bahnhof halten dürfen. Ein Zug dürfte auch nicht mehr auf einen verspäteten Zug warten, so dass Reisende auch bei kleineren Verspätungen ihren Anschluss verpassen würden.

Stuttgart 21 - Prestigezentralismus statt Flächenbahn. Für ein einzelnes unsinniges Megaprojekt zig Milliarden Euro auszugeben, während immer mehr Nebenstrecken und kleine Bahnhöfe geschlossen werden, zeugt mal wieder von der aktuellen Bahnpolitik: Statt großer Flächen-Abdeckung wird auf Prestige, Gigantismus und Hochgeschwindigkeitsstrecken gesetzt. ROBIN WOOD fordert: Bahn für alle! (link: www.robinwood.de/Bahn.233.0.html und www.bahnfuer-alle.de)

S21 beeinträchtigt die Luftqualität in der Stadt. Stuttgart liegt in einem Talkessel. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 hat die Bebauung der frei werdenden Flächen entlang des jetzigen Schienenwegs nach Bad Cannstatt zur Folge. Dies ist jedoch die einzige, für das Stadtklima sehr wichtige Frischluftschneise. Wird sie zugebaut, heizt sich die Innenstadt im Sommer noch mehr auf.

S21 zerstört den Schlossgarten. Der Schlossgarten ist die grüne Lunge der Stadt. Trotzdem sollen für den Mega-Bahnhof mehr als 280 alte Bäume gefällt werden. Was vom Park übrig bleibt, ist aufgrund von Grundwasserabsenkungen für den Tunnelbau vom Austrocknen bedroht. Die Bäume verbessern das Stadtklima und sind unverzichtbar für ein lebenswertes Stuttgart. Die oft angeführten Ausgleichsmaßnahmen können die gefällten Alt-Bäume in keiner Weise ersetzen.

Demokratie statt S21! Eine große Mehrheit der Menschen in Stuttgart und mittlerweile auch in ganz Baden-Württemberg ist gegen Stuttgart 21. Trotzdem versuchen Bahn und Politik das Projekt mit aller Macht, auch gegen den Willen der Einwohner_innen, durchzuboxen. 2007 wurde ein Bürgerbegehren mit 67.000 Unterschriften gegen das Projekt im Rathaus übergeben, 61.193 erwiesen sich als gültig; notwendig waren 20.000. Das Bürgerbegehren wurde aus formal-rechtlichen Gründen abgeschmettert.

S21 schluckt Milliarden an Steuergeldern. Die anfängliche Kostenplanung von 1995 gibt noch 2,5 Mrd. Euro als Gesamtkosten an. Mittlerweile kommen sogar die Kostenvoranschläge der Planer_innen schon auf die horrende Summe von über 4 Mrd. Euro. Der Bundesrechnungshof gibt an, dass in den Berechnungen der Bahn mindestens 1,2 Mrd. Euro fehlen. Andere, unabhängige Studien kommen mit bis zu 8 Mrd. Euro Gesamtkosten auf fast das Doppelte – die über 2 Mrd. Euro für die Hochgeschwindigkeits-Strecke Stuttgart-Ulm sind hier noch nirgends mit einberechnet. Der größte Teil der Kosten wird vom Bund, vom Land und der Stadt, und damit vom Steuerzahler getragen. Die Deutsche Bahn selber zahlt nur knapp über eine Milliarde Euro.

 

S21 – die Megabaustelle. Über zehn bis fünfzehn Jahre hinweg soll ein zentraler Teil der Stuttgarter Innenstadt zur „größten Baustelle Europas“ werden, womit teilweise sogar offensiv geworben wurde. Baulärm, Dreck, Verkehrsbehinderungen und Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr gibt’s gratis dazu.

Für zwei Minuten Fahrzeitverkürzung nach Ulm? Die schnellere Fahrt von Stuttgart nach Ulm hat weniger mit Stuttgart 21 als vielmehr mit der Neubau- Hochgeschwindigkeitsstrecke Stuttgart-Ulm über die Schwäbische Alb zu tun. Diese zwei Projekte, S21 und die Neubaustrecke, werden von BefürworterInnen gerne vermengt, sind aber an sich getrennt zu sehen. Die Fahrzeitverkürzung durch den neuen Hauptbahnhof beträgt nur ca. zwei Minuten, dafür werden dann allerdings die Umsteigezeiten verkürzt.

Schneller zum Flughafen? Die Fahrzeit vom Hauptbahnhof zum Flughafen soll sich durch eine neu gebaute ICE-Trasse zum Flughafen von knapp 30 Minuten mit der S-Bahn auf acht Minuten mit dem ICE verkürzen durch. Auch gegen diese Trasse gibt es einige Bedenken: Der Untergrund in den die Tunnel für die Trasse eingelassen werden sollen, ist sehr porös. Daher besteht die Gefahr, dass durch die Bohrungen der Boden absinkt. Zudem hat die Trasse eine starke Steigung. Es ist zu bezweifeln, ob die älteren ICEs (ICE 1 + 2) diese Steigung überhaupt meistern können. Diese sollen außerdem auch noch durch die jetzigen S-Bahn-Tunnel geleitet werden, die für große Züge zu schmal sind und auch nicht auf die Neigetechnik aktueller Schnellzüge ausgelegt sind. Folge: Es können nur Züge ohne die aktuelle Neigetechnik (oder welche, die diese abschalten können) durch die Tunnel fahren, und selbst dann sind die Fluchtwege ca. 20 cm schmaler, als eigentlich vorgeschrieben – dafür gab's ne Ausnahmegenehmigung vom Verkehrsministerium.

Die Alternative: Kopfbahnhof 21. Der Stuttgarter Kopfbahnhof gehört jetzt schon zu den effizientesten Bahnhöfen in Europa. Für die Fahrgäste, insbesondere Reisende mit viel Gepäck und Menschen mit Behinderung, ist der Kopfbahnhof zudem wesentlich bequemer, weil sie auf einer Ebene den Bahnsteig wechseln können. Mit seinen 16 Gleisen kann er zudem weitaus mehr Züge aufnehmen als der geplante Tiefbahnhof und könnte nach einer Modernisierung spielend mit dem Verkehr der Zukunft fertig werden. Ein Konzept für eine solche Modernisierung liegt fertig ausgearbeitet unter dem Titel „Kopfbahnhof 21“ (K21) vor. Es sieht eine Renovierung und Modernisierung des Kopfbahnhofes sowie eine Neuordnung des Gleisvorfeldes vor. Dabei entfällt der Neubau dreier Bahnhöfe – neben dem Tunnelbahnhof S21 der S-Bahnhof Mittnachtstraße und der ICE-Filderbahnhof am Flughafen. Außerdem wird für das Alternativkonzept nur ein Drittel der Tunnelstrecken benötigt. Aus diesem Grund könnte K21 zu einem Bruchteil der Kosten von S21 gebaut werden.

Mehr dazu unter: kopfbahnhof-21.de

ROBIN WOOD lehnt das undemokratische und verkehrspolitisch sinnlose Immobilienprojekt Stuttgart 21 ab. Gemeinsam mit dem Bündnis gegen S21, den Parkschützern und dem BUND Baden-Württemberg fordert ROBIN WOOD, stattdessen das Alternativkonzept Kopfbahnhof 21 umzusetzen.

ROBIN WOOD-Regionalgruppe Südwest, Juli 2010