11. März 2012 - Ein Jahr Atomkatastrophe in Fukushima

Kundgebungen und Demonstrationen in Deutschland

Aus Anlass der seit einem Jahr andauernden Atomkatastrophe fanden am 11. März 2012 an sechs deutschen Atomanlagen große Demonstrationen für den weiteren Ausstieg aus der Atomenergie statt: Eine Lichterkette im Braunschweiger Land, Demonstrationen an der Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau, den AKWs Gundremmingen und Neckarwestheim, in Hannover (AKW Grohnde) sowie die Umzingelung des AKW Brokdorf.

ROBIN WOOD unterstützt diese Aktionen, besonderes die Demonstration an der UAA Gronau. Anders als bei den Atomkraftwerken ist der Betrieb der UAA in Gronau durch das nach Fukushima geänderte Atomgesetz bis heute nicht befristet!

Mehr über den unbefristeten Betrieb der Urananreicherungsanlage Gronau und die Demonstration vom 11. März 2012 an der UAA Gronau

Mehr über die Demonstrationen vom 11. März 2012 in Brokdorf, Gronau, Gundremmingen, Hannover, Neckarwestheim, die Lichterkette durch das Braunschweiger Land und auf der gemeinsamen Gesamt-Homepage Fukushima 2012.

Atomkatastrophe FUKUSHIMA

Nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami befinden sich die Atomreaktoren des AKW Fukushima 1 in einem sehr kritischen Zustand. In einigen der insgesamt sechs Reaktoren ist es zumindest teilweise zu einer Kernschmelze gekommen, die Kühlung in mehreren Reaktoren funktioniert nach wie vor nicht zuverlässig und ausreichend. Radioaktivität tritt aus, teilweise sind Lebensmittel verstrahlt und auch das Trinkwasser ist teilweise deutlich über die Grenzwerte hinaus belastet. Menschen in einer Umgebung von bis zu 30 Kilometern Entfernung wurden evakuiert. Die Informationen von Betreibern und Regierungsbehörde sind mangelhaft, widersprechen sich häufig. 

In Deutschland reagiert die Bundesregierung mit einem drei-monatigen Moratorium für die jüngst beschlossene Laufzeitverlängerung. Sieben der so genannten Alt-Reaktoren sowie das AKW Krümmel sind einstweilen vom Netz genommen worden. Die mit Fukushima baugleichen zwei Blöcke des AKW Gundremmingen sind allerdings weiter in Betrieb. Bis Mitte Juni sollen die AKWs nun in Deutschland überprüft werden, um laut Bundesregierung zu entscheiden, ob der weitere Betrieb verantwortet werden kann.

Der Verdacht, dass diese Maßnahme möglicherweise mit den Wahlen mehreren Bundesländern zu tun hat, ist  laut Umfragen weit verbreitet. Wirtschaftsminister Brüderle (FDP) hatte auf einer Veranstaltung des Industrieverbandes BDI anwesenden Vertretern die Entscheidung der Bundesregierung für das Moratorium mit den Worten erklärt, dass es in Zeiten von Wahlen nicht immer rational erklärbare Entscheidungen gäbe und er im übrigen zur Atomenergie stünde.

 

13. März 2011, 15 Uhr

Kernschmelzen in japanischen AKWs – Menschenkette und bundesweite Demonstrationen.

In mehreren Reaktoren in Japan finden Kernschmelzen statt, weitere drohen – 60.000 Menschen bilden Kette für den Atomausstieg zwischen den AKWs Neckarwestheim und dem Regierungssitz Stuttgart – ROBIN WOOD baut „Transparente-Tunnel“ für den Sofortausstieg bei Ludwigsburg. Bundesweit spontane Demonstrationen am Montag, 18 Uhr.

Nach dem schweren Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami hat sich in dem Atomkraftwerk Fukushima 1 – bestehend aus sechs Reaktor-Blöcken – offenbar eine Kernschmelze entwickelt. In den Blöcken 1 und 3 ist laut Regierungsangaben davon auszugehen, dass zumindest Teile der Brennelemente geschmolzen sind. Im Block 1 ist es am Samstag zu einer oder mehreren Explosionen gekommen. Ob dabei der Reaktordruckbehälter beschädigt wurde, ist unklar. Im Block 3 wird seit 2010 auch Plutonium-Brennstoff (MOX) eingesetzt. Die Blöcke 5 und 6 scheinen nicht betroffen, weil sie schon zuvor abgeschaltet waren. Gefährdet ist aber offenbar auch der Block 2.

Alle sechs Blöcke des AKWs sind in den 70er Jahren ans Netz gegangen und sind so genannte Siedewasserreaktoren, vergleichbar mit den deutschen AKWs Brunsbüttel, Krümmel, Isar 1 und Philippsburg 1.

Auch im zwölf Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima 2 scheint sich die Lage aufgrund gravierender Probleme mit der Kühlung zuzuspitzen. Offenbar planen die Betreiber eine Druckentlastung vorzunehmen oder haben dies bereits getan. Durch diese Notmaßnahme wird Radioaktivität an die Umwelt abgegeben. Das Kraftwerk besteht auch vier Siedewasserreaktoren, die in den 80er Jahren in Betrieb gegangen sind.

Im Umkreis von 20 Kilometern um das AKW Fukushima 1 und im Umkreis von zehn Kilometern um Fukushima 2 werden Anwohner evakuiert, rund 200.000 Menschen sind davon betroffen. Auch am Sonntag dauert die Evakuierung noch an.

Der tatsächliche Zustand der Anlagen ist im Moment nur schwer zu beurteilen. Sicher aber ist, dass es sich um einen der schlimmsten Atomunfälle in der Geschichte der Atomenergie handelt und bei derzeitigem Stand mit dem Unfall im Kraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg/USA vergleichbar ist. Die Informationen der Betreiber, der Aufsichtsbehörde und der japanischen Regierung widersprechen sich teilweise immer wieder. Offenbar aber tritt radioaktives Cäsium aus einer der Anlagen in die Umgebung, bis zu 1.000 fach erhöhte Radioaktivität soll IM Reaktorgebäude gemessen worden sein, aber auch außerhalb der Anlagen steigt die Strahlung an. Angaben über „verstrahlte“ Menschen sprechen von unterschiedlichen Zahlen, aber ohne konkrete Hinweise, wie hoch die Strahlung und damit auch die gesundheitliche Gefährdung war/ist.

ROBIN WOOD bei der Menschenkette in Baden-Württemberg

Unter dem Eindruck der Ereignisse in Japan haben am Samstag, dem 12. März zwischen den AKWs in Neckarwestheim und Stuttgart insgesamt 60.000 TeilnehmerInnen eine Anti-Atom-Menschenkette gebildet. 14 Tage vor den Landtagswahlen in Baden Württemberg forderten einige RednerInnen auf der Abschlusskundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Die künftige Landesregierung, egal welche Partei sie stelle, müsse aus den Ereignissen in Japan die Konsequenzen ziehen. Auch bundesweit sei in keinem AKW die Gefahr von Kernschmelzunfällen auszuschließen. An zahlreichen Reaktoren treten auch in Deutschland immer wieder Probleme mit der Notstromversorgung auf. Die Konsequenz kann daher nur der Ausstieg aus der Atomenergie sein.

Zu der Menschenkette hatte ein Trägerkreis aus vier Umweltorganisationen aufgerufen, darunter auch ROBIN WOOD.

Bei Ludwigsburg beteiligten sich AktivistInnen von ROBIN WOOD mit einem mehrere hundert Meter langen „Tunnel“ aus Transparenten an der Menschenkette. Entlang einer Allee hatten sie die Transparente mehrere Meter über der Straße aufgehängt und mit dieser Aktion für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie protestiert. Ein Video gibt es hier: ROBIN WOOD bei der Menschenkette

Bundesweit rufen AktivistInnen und Organisationen zu spontanen Demonstrationen aus Anlass der Reaktorkatastrophe in Japan auf. Weitere Infos folgen demnächst.
13.3.2011, 15 Uhr
Dirk Seifert, Energiereferent ROBIN WOOD