Die Risiken der Atomenergienutzung sind unverantwortbar

Lesen Sie hier über die aktuellen Auseinandersetzungen zur Atomenergie.

Warum ROBIN WOOD gegen die Atomenergie aktiv ist:

Die Risiken durch den Betrieb von Atomkraftwerken, durch den anfallenden Atommüll und auch für die Weiterverbreitung von atomwaffenfähigem Material sind nicht zu verantworten! Die gesamte Atomspirale - angefangen vom Uranabbau über die Urananreicherung, die Brennelemte-Fertigung, dem Betrieb von Atommeilern bis hin zur Lagerung der dabei entstehenden radioaktiven Abfälle sowie die jeweiligen Atomtransporte zwischen diesen Stationen - birgt riesige und unverantwortbare Gefahren für die Umwelt. Die Atomkatastrophe von Fukushima zeigt, dass kein noch so technisiertes Land diese Gefahren kontrollieren kann.

Aufgrund dieser enormen Risiken für die Umwelt fordert ROBIN WOOD den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergienutzung.

Stand der Dinge

Mit einer Nettoleistung von insgesamt ca 20.303 Megawatt waren bislang noch 17 Atomkraftwerke in Deutschland zur Stromerzeugung am Netz. Damit trug die Atomenergie zu knapp 22 Prozent an der gesamten deutschen Stromerzeugung bei. Nach Fukushima hat die Regierung die endgültige Stilllegung von insgesamt acht Atomkraftwerken beschlossen: Brunsbüttel, Krümmel, Isar 1, Philippsburg 1, Bibilis A und B, Unterweser und Neckarwestheim 1 gehen endgültig vom Netz. Neun weitere Reaktoren bleiben noch in Betrieb. Sechs davon bis 2021/22. 

Liste aller Atommeiler und Beschreibung / Störfälle... 

Stilllegungsfahrplan der Bundesregierung (Juni 2011)

Atomarer Klimaschutz?

Immer wieder wird behauptet, dass Atomkraftwerke zum Klimaschutz beitragen. Hier finden Sie in einer Broschüre die Argumente, warum das nicht stimmt: Warum AKWs zum Klimaschutz nichts taugen (pdf)

Die Risiken der Atomenergienutzung sind unverantwortbar

Vor allem drei zentrale Risiken sind es, warum sich ROBIN WOOD für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen einsetzt. Jedes einzelne Risiko ist derart bedeutsam, dass nur die sofortige Abschaltung eine verantwortbare Handlung ist:

Risiko 1 - Betrieb der Atomkraftwerke
Risiko 2 - Radioaktive Abfallberge für die Ewigkeit
Risiko 3 - Atombomben für die Welt

 

Risiko 1 - Betrieb der Atomkraftwerke

Die Nutzung der Atomenergie ist die wohl gefährlichste Form der Stromerzeugung. Die enorme Radioaktivität, die während des Betriebs der Atomkraftwerke im Reaktordruckbehälter durch die künstliche Spaltung von Uranisotopen entsteht, erfordert extrem hohe Sicherheitsstandards. Da die Auswirkungen einer Freisetzung von Radioaktivität katastrophale Auswirkungen für alle Lebewesen hätten, darf es bei dieser Sicherheit keinen noch so kleinen Mangel geben - sie muss in jeder Situation 100 Prozent zuverlässig sein. Eine Anforderung, die weder Mensch noch Technik erfüllen können.

Viele hunderttausend Todesopfer wären die langfristige Folge einer atomaren Katastrophe. Zahlreiche Gutachten haben diese Gefahren beschrieben und auch für die in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke nachgewiesen, dass ein schwerer Störfall jederzeit eintreten kann. Unter bestimmten Bedingungen kann es dazu kommen, dass ein Großteil der Radioaktivität im Reaktorkern an die Umwelt gelangt. Das wäre der Super-Gau (Gau = Größter anzunehmender Unfall), also der Unfall, für den die Atomkraftwerke sicherheitstechnisch nicht ausgelegt sind und der nicht mehr zu kontrollieren ist.

Daher ist ROBIN WOOD der Überzeugung: Atomkraftwerke sind nicht zu verantworten und gehören angesichts der enormen Risiken sofort stillgelegt.

Beispiel 1 - Super-Gau Tschernobyl 1986 (mehr...)
Beispiel 2 - Harrisburg 1978 - Glück im Unglück (mehr...)
Beispiel 3 - Windscale / Sellafield (mehr...)
Beispiel 4 - Biblis - Forsmark - Brunsbüttel (mehr...)

 

Risiko 2 - Radioaktive Abfallberge für die Ewigkeit

Schon die Gefahren, die durch den direkten Betrieb von Atomkraftwerken entstehen, sind unverantwortbar und fordern die sofortige Stilllegung. Ein zweites Argument für die Stilllegung ist die bis heute weltweit völlig ungelöste Frage der sicheren Aufbewahrung des anfallenden radioaktiven Mülls. Teile des Atommülls, der durch den Reaktorbetrieb anfällt, werden noch in über einer Million Jahre derart gefährlich sein, dass der ungeschützte Kontakt tödlich verlaufen würde. Ein unvorstellbarer Zeitraum und ein unvorstellbares Risiko.

Für diesen extrem langen Zeitraum muss der Atommüll aus den AKWs in einer Weise verpackt werden, die sicher und zweifelsfrei einen direkten Kontakt mit der Umwelt und den Menschen verhindert. Dabei ist einerseits die Radioaktivität von großer Bedeutung. Zu beachten ist aber auch, dass sich während der Lagerung des Atommülls chemische Prozesse abspielen, deren Auswirkungen zusätzliche Gefahren mit sich bringen.

Der Atommüll wird heute unterschieden in die Bereiche wärmeentwickelnde und nicht-wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle. Diese Unterscheidung sagt nicht unbedingt etwas über die Gefährlichkeit oder über die Halbwertzeiten der radioaktiven Stoffe aus. Wärmeentwickelnd sind vor allem die sogenannten hochradioaktiven Materialien, sowie einige mittel-aktive Stoffe. Zu den nicht-wärmeentwickelnden Abfälle gehören einige der mittel-aktiven Stoffe und die so genannten schwach- oder leichtaktiven Abfälle. (s.a. de.wikipedia.org/wiki/Radioaktiver_Abfall)

Weltweit kein Endlager

Weltweit gibt es bis heute kein einziges Endlager für die hochradioaktiven Abfälle. Für den schwach- und mittelaktiven Atommüll gibt es in einigen Ländern seit einigen Jahren zwar Genehmigungen, aber auch viele Probleme.

In Deutschland sind für den anfallenden Atommüll bislang der Salzstock in Gorleben (Erkundung, derzeit ausgesetzt) und das ehemalige Eisenbergwerk im Schacht Konrad (Salzgitter, genehmigt) vorgesehen. In Morsleben befindet sich ein inzwischen stillgelegtes Endlager aus der ehemaligen DDR. Auch westdeutscher Atommüll ist in den Jahren nach der Wende dort eingelagert worden. Und im ehemaligen Salz-Bergwerk ASSE II bei Wolfenbüttel befindet sich ein Atommüll-Lager, in dem jahrzehntelang die Einlagerung von Atommüll erforscht wurde. Faktisch ist aus dem vermeintlichen Forschungsvorhaben inzwischen ein Endlager geworden - ohne das die rechtlichen Vorschriften und Sicherheitsanforderungen dabei berücksichtig worden sind.

Allein Morsleben und Asse machen klar, wie groß die Probleme bei der Endlagerung von Atommüll sind. Denn beide Standorte sind vom Einsturz bedroht und in Gefahr, dass die dort eingelagerten radioaktiven Abfälle über kurz oder lang mit Wasser in Berührung kommen können. Dieser Wasserkontakt mit dem Atommüll wäre der Super-GAU bei der Endlagerung.

Und genau dieses Horror-Szenario droht derzeit in der Asse. Neben dem jahrzehntelangen ständigen Wasserszutritt im angeblich "dichten" und sicheren Salzstock (rd. 12 Kubikmeter/Tag = 12.000 Liter pro Tag), könnte laut Betreiberangaben der Salzstock, in dem sich der Atommüll befindet, schon im nächsten Jahrzehnt zusammenbrechen. Dann wären sogar zusätzliche erhebliche Wassereinbrüche nicht mehr auszuschließen und es wäre nur noch eine Frage der Zeit, wann es zu einer radioaktiven Verseuchung an der Oberfläche kommt.

(mehr zu Asse II...)

Statt Endlager – dezentrale Scheinlösungen

Außerdem vereinbarten Bundesregierung und Atom-Unternehmen, dass an den AKW-Standorten so genannte dezentrale Zwischenlager für die hochradioaktiven Brennelemente gebaut und in Betrieb genommen werden sollten. Diese neuen Zwischenlager sind für den weiteren Betrieb der Atomkraftwerke von entscheidender Bedeutung. Da das Atomgesetz einerseits den Nachweis einer „sicheren Entsorgung der radioaktiven Abfälle“ fordert, andererseits aber Endlager bis heute nicht vorhanden sind, hat sich die Atomwirtschaft mit immer neuen Zwischen-/Schein-Lösungen Auswege gesucht.

Liste der Standort-Zwischenlager... (externe Seite)

Bis zum Jahr 2005 war dies die so genannte Wiederaufarbeitung der hochradioaktiven Brennelemente. Seit 2006 sind es nun die dezentralen Zwischenlager.

Alle drei bis vier Jahre müssen die Brennelemente im Reaktor ersetzt werden, da der spaltbare Uran-Anteil sich für einen weiteren Einsatz im Reaktor zu stark verrringert hat. Dieser Austausch geschieht jährlich während der so genannten Revision. Etwa ein drittel bis ein viertel der Brennelemente werden zunächst in das Abklingbecken umgelagert. In diesem mit Wasser gefüllten Becken lagern die Brennelemente für drei bis fünf Jahre innerhalb des Reaktors. In dieser Zeit sinkt die durch die Radioaktivität verursachte Temperatur und einige radioaktive Isotope sind dann abgeschwächt.

Erst nach dieser Übergangszeit können die Brennelemente in die Stahlbehälter - landläufig als Castorbehälter bezeichnet - verpackt und ins dezentrale Zwischenlager verschoben werden. Diese Zwischenlager sind im Grunde lediglich schlichte Betonhallen, die mit einer Radioaktivitätsüberwachung ausgestattet sind. Einen Schutz gegen Eingriffe von außen, also z.B. Terrorangriffen oder Flugzeugabstürzen bieten diese Hallen in keiner Weise.

Ein fauler Kompromiss, den die Bundesregierung einging. Denn mit Entsorgung hat die dezentrale Zwischenlagerung nichts zu tun. Bis heute gibt es weltweit kein Endlager für atomare Abfälle. Kein Wunder eigentlich, denn die Aufgaben, die sich angesichts der enormen Risiken - die von den hochradioaktiven Abfällen ausgehen - ergeben, sind schier unlösbar: Für mindestens 1 Million Jahre müssen sie absolut abgeschirmt von der Umwelt gelagert werden.

 

Risiko 3 - Atombomben für die Welt

Die Geschichte der Atomenergienutzung ist vor allem die Geschichte der Atombombe. Ohne die militärischen Interessen an der Atombombe wäre es möglicherweise nie zur Entwicklung der so genannten „zivilen Nutzung der Kernenergie“ gekommen. Denn bis heute ist die Atomenergie ohne massive staatliche politische und finanzielle Unterstützung nicht denkbar. Ein Zusammenhang, der der Atomwirtschaft in Deutschland bis heute unangenehm ist. So legt diese Branche bis heute Wert darauf, dass sie KERNkraftwerke betreibt, nicht aber ATOMkraftwerke. Schon in der Wortgebung soll der Zusammenhang zwischen der Atombombe und den Atomkraftwerken verwischt werden.

Grundsätzlich ist für den Betrieb von AKWs die gleiche Technik erforderlich, die auch zum Bau von Atombomben verfügbar sein muss. Zentrale Bedeutung haben dabei die Anlagen zur so genannten Urananreicherung. Die Bundesrepublik verfügt mit den Anlagen in Gronau, die von der Urenco betrieben werden, über derartige Technik. Da die spaltbaren Anteile des Uran (235) in der Natur meist zu gering sind, muss das Uranerz entsprechend angereichert werden. Für die Verwendung in einem Atomreaktor muss dieser spaltbare Anteil von Uran (235) auf rund 5 Prozent gebracht werden. Dies geschieht in den Anreicherungsanlagen, in denen technisch sehr aufwendige Zentrifugen betrieben werden - also z.B. in Gronau. Technisch betrachtet ist es kaum ein Unterschied, ob das Uran auf fünf oder aber auf 95 Prozent spaltbarer Anteile angereichert wird. Bei einer solch hohen Anreicherung wäre das Uran dann für Atomwaffen geeignet (dies ist z.B. der technische Hintergrund für die Auseinandersetzungen über das Atomprogramm im Iran).

Eine weitere Verbindung zwischen AKWs und der Atombombe ist die Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente, die Deutschland bis zum Jahr 2005 angewendet hat. Bei der Wiederaufarbeitung werden die spaltbaren Anteile von Uran und das während der Zeit im Atomrektor neu entstandene Plutonium abgetrennt. Für bundesdeutsche Reaktoren wird dieses Plutonium zu so genannten Mischoxid-Brennelementen (MOX) verarbeitet, die dann wieder im AKW eingesetzt werden. Grundsätzlich aber ist es auch möglich, dieses Plutonium für den Bau von Atomwaffen einzusetzen.

Aus diesen Gründen unterliegt der Betrieb von Atomkraftwerken und aller dafür erforderlichen Anlagen in der Ver- und Entsorgung der Überwachung durch die Internationale Atomenergie Behörde, der IAEO. Sie untersteht der UNO und soll die „friedliche Nutzung der Atomenergie“ und die Anwendung radioaktiver Stoffe, sowie die internationale Zusammenarbeit hierbei, fördern (!!) und gleichzeitig die militärische Nutzung dieser Technologie (z. B. Weiterverbreitung von Atomwaffen) durch Überwachungsmaßnahmen - so genannte Safeguards - verhindern.

Zur Gründung der IAEO waren die USA, die damalige Sowjetunion, Frankreich und England so genannte Atommächte, also Staaten, die über Atomwaffen verfügten. Mit dem Atomwaffensperrvertrag von 1968 sollte die Weiterverbreitung von Atomwaffen verhindert werden. Heute sind Staaten wie China, Nord-Korea, Israel, Indien und Pakistan ebenfalls in der Lage, Atombomben zu bauen.

Das Risiko, dass atomwaffentaugliches spaltbares Material weiter verbreitet werden kann, ist groß. Denn z.B. die Überwachung der Stoffkreisläufe, u.a. in den Anlagen zur Wiederaufarbeitung wie in Frankreich (La Hague) und England (Sellafield) ist allein technisch enorm schwierig und eine lückenlose Bilanzierung der Mengen von spaltbarem Material nicht machbar. Mehr zum Thema gibt es bei den Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs, der IPPNW.

Deswegen ist für ROBIN WOOD klar: Die AKWs und Atomanlagen müssen sofort abgeschaltet werden - weltweit!