Unterweser / Esenshamm (KKU)

Allgemeine Daten

Reaktortyp/Baureihe:

Druckwasserreaktor 2. Generation

Hersteller:

KWU

Nennleistung:

1410 MW Brutto / 1345 MW Netto

Inbetriebnahme (Erstkritikalität):

16.9.1978

Standort:

Stadland, Landkreis Wesermarsch, Niedersachsen

Zuständige Aufsichtsbehörde:

Niedersächsisches Umweltministerium

Brennstoff:

Uran (bis 4,4% Anreicherung, u.a. russisches Waffenuran), MOX (4% Uran-Reaktivitätsäquivalent)

Reststrommenge lt. Atomkonsens zum 31.12.2005:

63,06 TWh

Durschschnittliche Erzeugung 2000-2005:

10,98 TWh pro Jahr

Prognose Stilllegung nach Atomkonsens:

Sep 2011

Quellen: Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Überprüfungstagung im April 2005 www.bfs.de/kerntechnik/cns2005_deu.pdf S.127ff.; E.ON Kernkraft, www.eon-kernkraft.com; www.umwelt.niedersachsen.de/master/C739830_N11473_L20_D0_I598.html; Kreiszeitung Wesermarsch, 5.7.2005, www.uwe-stratmann.de/2005/jul18.htm; BMU, Bekanntmachung nach §7 Abs. 1c Satz 4 AtG, Eigene Berechnungen

Betreiber

Betreiber:

E.ON Kernkraft GmbH

Geschäftsführer:

Erich K. Steiner, Bernd Güthoff, Hans-Jürgen Heutling, Dr. Norbert Kostka

Eigentümer:

E.ON Kernkraft GmbH 100%

(Quelle: E.ON Kernkraft, www.eon-kernkraft.com)

Besonderheiten

Im AKW Unterweser werden plutioniumhaltige MOX-Brennelemente sowie Uran-Brennelemente mit höherer Anreicherung (4,4 statt 3,5 Gewichtsprozent Uran-235, genehmigt seit 2003) eingesetzt. Seit dem Jahr 2000 werden auch Brennelemente mit Uran aus abgerüsteten russischen Atombomben eingesetzt.

Durch Einsatz von höher angereichertem Uran will der Betreiber die Nutzungsdauer der Brennelemente verlängern. Der Betreiber bringt auch vor, dass sich die produzierte Atommüllmenge und die Anzahl der später erforderlichen Transporte verringert - hier ist aber zu beachten, dass die einzelnen abgebrannten Brennelemente deutlich mehr hochradioaktive Spaltprodukte enthalten und daher gefährlicher sind.

(Quelle: Niedersächsisches Umweltministerium, www.umwelt.niedersachsen.de/master/C2097842_L20_D0_I598_h1.html; Kreiszeitung Wesermarsch, 5.7.2005, www.uwe-stratmann.de/2005/jul18.htm)

Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente

Erstantrag:

20.12.1999

Atomrechtliche Genehmigung:

22.9.2003 (Sofortvollzug beantragt, Verfahren nicht abgeschlossen)

Baugenehmigung:

23.12.2003

Kapazität:

800 Tonnen Schwermetall, 4,4×1019 Becquerel Aktivität, 3 MW Wärmefreisetzung

80 Behälter, Castor/V19

Lagerdauer:

40 Jahre ab Einlagerung des ersten Behälters

Bauart:

STEAG-Konzept

Baubeginn:

23.6.2004

Inbetriebnahme:

noch im Bau

Kein Interimslager.

Quellen: BFS, Dezentrale Zwischenlager - Bausteine zur Entsorgung radioaktiver Abfälle, 2005; BFS, Statusbericht zur Kernenergienutzung in der Bundesrepublik Deutschland 2003; www.nadir.org/nadir/initiativ/sand/SAND-Dateien/Atommuellager.html

Schwachstellen

Mangelnder Schutz gegen Flugzeugabsturz

Unterweser gehört zu den durch Flugzeugabstürze (insbesondere Terrorangriffe) besonders verwundbaren Atomkraftwerken. Seine Reaktorkuppel ist nur 80 Zentimeter dick und nur gegen den Absturz eines Flugzeuges von der Größe eines Starfighters ausgelegt. Die meisten neueren AKWs sollen immerhin den Absturz eines wesentlich schwereren "Phantom"-Kampfjets verkraften. Diese schwächere Auslegung würde bei einem tatsächlichen Absturz oder Terrorangriff in jedem Fall ein höheres Risiko eines Super-GAUs bedeuten, auch wenn es sich z.B. um einen voll getankten Passagierjet handelt, für den auch die neueren Reaktoren nicht ausgelegt sind.

(Quelle: Anti-Atom-Lexikon, www.anti-atom.de/unterwes.htm; Helmut Hirsch, Oda Becker: Risiko Restlaufzeit - Die Probleme und Schwachstellen der vier ältesten deutschen Atomkraftwerke, Schwerpunkt Neckarwestheim-I; erstellt für Greenpeace Deutschland, Juli 2005)

Bauartbedingte Schwachstellen

Unterweser gehört zu den Druckwasserreaktoren der 2. Generation, zu der auch Biblis A und B, sowie Neckarwestheim gehören. Diese Reaktoren (Alle Reaktoren der 1. Generation sind bereits abgeschaltet) weisen einige bauartbedingte Sicherheitsmängel auf. Hierzu gehört neben der schwächeren Auslegung des Sicherheitsbehälters insbesondere die geringere Redundanz und teilweise Vermaschung bei der Notstromversorgung.

(Quelle: Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Überprüfungstagung im April 2005, www.bfs.de/kerntechnik/cns2005_deu.pdf)

Auffällige Störfälle und sonstige Ereignisse

1998: Blockierte Sicherheitsventile

Bei einer Schnellabschaltung des Reaktors im Juni 1998 wegen eines Turbinenfehlers wurde festgestellt, dass zwei Sicherheitsventile nicht geöffnet hatten - weil, wie man feststellte, Absperrarmaturen geschlossen und mit einem Schloss gesichert waren. Beim letzten Anfahren der Anlage war vergessen worden, sie wieder zu öffnen, entsprechende Kontrollen wurden offenbar nicht durchgeführt.

Die Ventile sind wichtig für das Abblasen des Frischdampfes bei einer Turbinenabschaltung und damit für die Kühlung des Reaktors.

Der Vorfall hat eine besondere Bedeutung, da es sich bei den Ventilen um Sicherheitseinrichtungen handelt und diese bei Anforderung nicht funktionierten. Sie waren offenbar vorher über längere Zeit nicht betriebsbereit gewesen, ohne dass das bemerkt wurde. Glücklicherweise waren die anderen Sicherheitsventile des mehrfach ausgelegten Systems nicht blockiert - eine wirksame Kontrolle fand hier aber offenbar nicht Statt. Wären auch die anderen Ventile "vergessen" worden, wäre der Störfall möglicherweise weniger harmlos ausgegangen.

2000: Gefälschte Sicherheitsdokumente bei MOX-Brennelementen

Im Februar 2000 wurde bekannt, dass systematisch Sicherheitsdokumente für in Sellafield hergestellte MOX-Brennelemente gefälscht worden waren, darunter auch vier in Unterweser eingesetzte Brennelemente. Nachdem der Betreiber dies zunächst abgelehnt hatte, wurde das AKW für einige Tage abgeschaltet, um die Brennelemente auszutauschen.

2003: Einschränkungen durch hohe Außentemperaturen

Während der Hitzewelle im August 2003 war das AKW gezwungen, seine Leistung zu verringern, da das Kühlwasser nicht mehr ausreichte. Die Leistung musste zunächst auf die Hälfte und schließlich sogar auf 30% reduziert werden.

Das AKW Unterweser ist von dem Problem der Wasseraufheizung besonders betroffen, da es über keine Kühltürme verfügt. Es heizt das Weserwasser daher besonders stark auf, wobei gerade die Brackwasserzone biologisch besonders empfindlich für Temperaturerhöhungen ist.

Quelle: AP-Meldung 11.8.2003, www.x1000malquer.de/pa63721.html, taz 11.8.2003, www.taz.de/pt/2003/08/11/a0140.1/text

2005: Kurzschluss im Generator

Im Mai 2005 musste das AKW wegen eines Kurzschlusses im Hauptgenerator vom Netz. Der gesamte, erst zwei Jahre zuvor eingebaute Generator musste ausgetauscht und weitere umfangreiche Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Erst im August konnte das AKW wieder angefahren werden.

Stand: März 2006