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Kritischer Papierbericht 2005
Papier ist ein selbstverständliches Alltagsprodukt die
meisten Menschen verbrauchen immer mehr davon, ohne sich über die Folgen
Gedanken zu machen. Doch die Produktion von Papier ist alles andere als
unproblematisch. Der zweite Kritische Papierbericht nimmt in sechs Kapiteln
diesen Industriezweig genauer unter die Lupe, zeigt Folgen und Möglichkeiten
für eine zukunftsfähige Nutzung von Papier auf.
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Der Kritische Papierbericht 2005 macht
deutlich: Die internationale Papierbranche bleibt selbst in Zeiten verhaltener
Konjunktur ein Wachstumsbereich, gekennzeichnet durch fortschreitende
Konzentration. Nordamerikanische und skandinavische Unternehmen dominieren das
Geschehen. Bis zum Jahr 2015 wird die weltweite Produktionsmenge auf 440
Millionen Tonnen prognostiziert.
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Rohstoffquelle Altpapier
Allein in Deutschland ist bei
derzeitigem Niveau - eine Steigerung der Jahresproduktion auf 26 Millionen
Tonnen in den nächsten fünf Jahren zu erwarten. Diese Produktionshöhe ist nicht
vereinbar mit den Klimaschutzzielen des Kyoto-Protokolls, das für Deutschland
bis 2012 die Reduktion der sechs wichtigsten Treibhausgase gegenüber 1990 um 21
Prozent vorsieht.
Deutschland ist EU-weit der größte Zellstoff- und
Papierimporteur und nun auch größter europäischer Exporteur. Dass dies möglich
ist, liegt am Altpapier als Faserquelle: Nirgendwo in Europa wird so viel
Altpapier eingesammelt und stofflich wiederverwertet wie hier.
Mit dem Zellstoffwerk Stendal ist
in Deutschland nach Blankenstein ein zweiter Produktionsstandort für
Sulfatzellstoff in Betrieb genommen worden. Deren Produktionsmenge könnte 15 %
der Zellstoffimporte nach Deutschland ersetzen, deckt real aber vor allem
weitere Verbrauchssteigerungen ab oder fließt als Langfaserzellstoff in den
Export. Je mehr Altpapier für die Herstellung hochwertiger Papiere genutzt
wird, desto mehr Primärfasern können eingespart werden. Voraussetzung ist die
konstante Bereitstellung geeigneter Altpapierqualitäten.
Während im ersten
Kritischen Papierbericht die Rohstoffquelle Holz im Mittelpunkt stand und
Folgen des Papierhungers in den Herkunftsländern von Zellstoff, sind es im
neuen Bericht das Altpapier als Rohstoffquelle und Perspektiven der
Altpapiererfassung.
Papierzeichen und Zertifizierungssysteme
Deutliche
Steigerungsmöglichkeiten für den Einsatz von Altpapier liegen vor allem bei
grafischen Papieren, das zeigt die differenzierte Darstellung von
Altpapiereinsatzquoten innerhalb der Hauptpapiersorten. Ohne Deinking könnten
große Mengen bedruckter Papiere nicht stofflich für die Herstellung grafischer
Papiere wieder verwendet werden. Der Papierbericht beleuchtet die
Faserausschleusung bei dieser Technik und verweist auf den eindeutigen
Zusammenhang zwischen Reststoffmengen und dem Weißegrad eines Papiers: Je
heller es sein soll, desto größere Reinigungsanforderungen mit umso höherer
Reststoffausschleusung sind die Folge. Eine niedrigere, dem Verwendungszweck
angepasste Weiße ist ökologisch die erste Wahl.
Im ersten Papierbericht 2004 waren
Bleichverfahren vorgestellt und Ökobilanzierungen diskutiert worden, im
aktuellen Bericht stehen europäische Zertifizierungssysteme im Mittelpunkt,
insbesondere die neuen Bestimmungen für das Labeling von FSC-Papier.
Marktübersicht
Die aktuellen Kriterien der
Umweltzeichen RAL-UZ 5, 14, 56 und 72 werden vorgestellt und bewertet, ebenso
die neuen - für den Papiersektor ab Juli 2005 geltenden - Handels- und
Verarbeitungsstandards des FSC sowie die wichtigsten europäischen Papierzeichen
und firmeneigenen Werbezeichen. Für eine ökologische Papierbeschaffung ist der
Blaue Engel derzeit das einzige Zeichen, das aus Sicht der Initiative 2000 plus
in Deutschland ohne Einschränkung empfehlenswert ist. VerbraucherInnen
benötigen klare Entscheidungshilfen.
Während der Kritische Papierbericht 2004
Kopierpapiere und die umsatzstärksten Papierwerke hierzulande in
Marktübersichten darstellte, liefern die AutorInnen jetzt neben einer
Marktübersicht von Druckpapieren für Printmedien eine Zusammenstellung des
deutschen Papiergroßhandels.
Ist Recyclingpapier teurer als
Primärfaserpapier? Kann man Recyclingpapier auch für Hochleistungsgeräte
verwenden? Mindert Recyclingpapier gar Gewährleistungsansprüche? Weil sich
überholte Vorurteile weiterhin halten, werden die wichtigsten
Forschungsergebnisse und Praxisberichte zum Einsatz von Recyclingpapier
wiedergegeben.
Neue Standards
Es werden drei von
Umweltverbänden aufgestellte Positionspapiere mit Forderungen aus Nordamerika,
Japan und Deutschland vorgestellt, die sich vornehmlich an die Papierindustrie
und den Papierhandel richten. Der deutsche Aufruf an Papierhandel und
-industrie für die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards für Papier
erscheint zusammen mit dieser Ausgabe des Kritischen Papierberichts. Es
zeichnet sich bereits ab, dass es parallel zur Weiterentwicklung solcher
Positionspapiere auf nationaler Ebene auch ein europäisches Positionspapier
geben wird.
Nachhaltige Papierwirtschaft
Ausgehend davon, dass mit den
verschiedenen Papierprodukten in erster Linie jeweils eine Dienstleistung
nachgefragt wird, nicht aber zwangsläufig der Werkstoff Papier, diskutiert die
Initiative 2000 plus Schritte zu einer nachhaltigen Papierwirtschaft.
Es gilt, ein Material zu entwickeln, auf dem sich drucken und schreiben lässt
und das unabhängig macht von der Zerstörung der Wälder.
Jupp
Trauth, Evelyn Schönheit: Kritischer Papierbericht 2005, herausgegeben von der
Initiative 2000 plus, 40 Seiten, gefördert durch das Umweltbundesamt, 7,00 Euro
plus Porto und Versand, Bestellung: ROBIN WOOD e. V. Angelika Krumm,
Lindenallee 32, 16303 Schwedt, Tel.:03332/25 20-10, Fax: -11, papier@robinwood.de
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