Mai 2011

Soziale und Ökologische Energwende!

Atomausstieg und Energiewende sind nicht nur eine energiepolitische Herausforderung, sondern auch eine soziale. Besonders für die Menschen in den Betrieben - sowohl in den stillzulegenden Atomkraftwerken als auch in den Betrieben der Anlagenhersteller für Erneuerbare Energien. Gewerkschaften und Umweltbewegung müssen hier miteinander Perspektiven entwickeln. Keine einfache Aufgabe, angesichts unterschiedlicher Ausgangspositionen und Aufgabe, die beide in ihren Handlungsfeldern haben. Aber eine Aufgabe und Diskussion, die anzugehn ist. Was ist eine soziale und ökologische Energiewende? Mehr im ROBIN WOOD Magazin 2/2011....  (PDF)

Energiewende ist ökologisch, sozial, demokratisch!

„Eine ökologische Energiepolitik braucht den Atomausstieg und den massivenAusbau dezentraler Erneuerbarer Energien. Aber die Energiewende ist nicht nur eine technische und wirtschaftliche Frage. Sie ist auch eine soziale Aufgabe. Ein gutes Leben mit Umwelt- und Klimaschutz, in dem wir und nachfolgende Generationen ineiner gesunden Umwelt leben können ist untrennbar auf soziale Gerechtigkeit und demokratische Beteiligungsrechte angewiesen. Sowohl gesellschaftlich als auch in den Betrieben, die die Energiewende produzieren.“

DIRK SEIFERT, Energiereferent ROBIN WOOD

zum Thema

ROBIN WOOD Magazin 3/2010l

Erneuerbare Energien - Ökologisch und sozial (PDF)

Aufruf der IG Metall

RückenWind für Erneuerbare Energien (PDF) Erklärung für faire Arbeitsbedingungen in der Windkraftbranche

IG Metall und Anti-Atom: Statements zu den sozialen Aufgaben während der Aktions- und Menschenkette im April 2010

Erneuerbare Energien - Ökologisch! Aber sozial?

Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft. Bis 2020 werden in dieser Wachstumsbranche rund 500.000 Arbeitsplätze erwartet und laut Branchenprognosen könnten die Erneuerbaren Energie bereits im Jahr 2020 einen Anteil von 47 Prozent an der gesamten Stromergzeung haben und in 2030 wären 100 Prozent machbar (PDF).

Es ist inzwischen eine weltweit expandierende Industrie entstanden. Unternehmen, die teilweise rasend schnell gewachsen sind und der wirtschaftlichen Entwicklung bzw. Nachfrage personell und organisatorisch kaum hinter her kommen. Darunter sehr viele neue, häufig mittelständische Unternehmen.

Die Erneuerbaren sind wirtschaftlich längst in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen. Anlagenbauer wie Siemens verdienen inzwischen umfangreich an ihnen und im Bankenbereich sind Investition und die „Energiewende“ längst zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Idealismus, wie er in den frühen Anfangsjahren der erneuerbaren Energie Pflicht war, um gegen Vorurteile, Ignoranz und schwierige Marktlage durchzuhalten, ist heute zwar noch spürbar. Mit den Märkten wächst aber auch die schnöde Erkenntnis: Mit Sonne, Wind und Wasser, mit Blockheizkraftwerken lässt sich nicht nur die CO2-Bilanz verbessern, sondern schlicht sehr gut Geld verdienen.

Kein Wunder, wenn in letzter Zeit verstärkt Klagen von Beschäftigten über die Arbeitsbedingungen in einigen Unternehmen laut werden. Grund genug, nicht nur die energiepolitischen Perspektiven beim Ausbau der erneuerbaren Energien im Blick zu haben, sondern sich auch mit den sozialen Bedingungen dieser Branche auseinander zu setzen.

Diese Erkenntnis greift im Umfeld der Umweltbewegung langsam Raum. Am 17. September gab es in Hannover einen ersten Kongress, auf dem diese Probleme zum Thema gemacht wurden. Unter dem Titel „Wende in der Atompolitik“ wurde einerseits die Notwendigkeit eines Atomausstiegs angesichts des völligen Scheiterns der dauerhaften Lagerung des Atommülls beleuchtet. Andererseits wurden die energiepolitischen Perspektiven des Ausbaus der erneuerbaren Energien untersucht.

Erstmals ging es dabei auch um die sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien, zu dem vor allem Gewerkschafter aus verschiedenen IG Metall Bezirken bzw. Verwaltungsstellen beitrugen. Dass die IG Metall hier besonders aktiv ist, hat seine Gründe: Auch sie ist von den gravierenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüchen stark betroffen und muss sich angesichts sinkender Mitgliederzahlen einiges einfallen lassen. Da ist die Wachstumsbranche der erneuerbaren Energien natürlich interessant. Allerdings haben diese neuen Betriebe mit der bisherigen Wirtschafts- bzw. Arbeitskultur herzlich wenig zu tun. Die Gewerkschaften stehen allzu häufig vor dem Tor, nicht aber im Betrieb.

Im Zentrum stehen soziale oder auch gesundheitliche Belange der KollegInnen in den Betrieben, bei denen sich die Gewerkschaften als Partner anbieten wollen. Sei es bei der Frage von Betriebsräten, Tarifverträgen, Löhnen und Gehältern, der Einhaltung von Arbeitsschutzbestimmungen und vieles mehr. In einem Interview mit dem Weser-Kurier hat Detlef Wetzel, Vize-Chef der IG-Metall im November die Ziele dargestellt. 

Ökologisch, sozial, gerecht…

Keine Frage: Die sozialen oder gesundheitlichen Probleme, die es in einigen Unternehmen der erneuerbaren Energien gibt, sind kein Grund, nicht an der Energiewende festzuhalten! Angesichts der globalen Bedrohungen durch Klimakatstrophe und atomaren Risiken ist der Ausbau der erneuerbaren Energien von entscheidender Bedeutung für den Umbau unserer Energieversorgung. Immerhin handelt es sich hier um Bedrohungen, die den gesamten Planeten betreffen und unter deren Auswirkungen schon viele Millionen Menschen heute konkret leiden!

Doch die Umweltbewegung könnte hier Verantwortung übernehmen und nicht nur auf hohe ökologische Standards, sondern auch auf gesunde und sozial gerechte Arbeitsbedingungen bestehen! Schließlich kaufen wir ja auch keine Ökoteppiche aus Kinderhand! Die erneuerbaren Energien stehen in der Vorstellung vieler Menschen zu Recht für eine umweltfreundliche und auch gerechtere Welt. Das muss auch bedeuten, dass die Arbeitsbedingungen in dieser Branche an solchen Ansprüchen gemessen werden dürfen.

Dieser Verantwortung müssen sich die Unternehmen stellen. Dass dies nicht von heute auf morgen klappt, dass es angesichts des enormen Wachstums dieser Branche und hohem Druck zu Schieflagen, Fehlern und Mängeln kommt, ist sicher unvermeidlich. Aber das Ziel muss klar sein und darüber muss man reden!

 

Dirk Seifert, Energiereferent von ROBIN WOOD in Hamburg, energie(at)robinwood.de Sept. 2010,