Bialowieza – Neue Entwicklungen

24. Oktober 2017
Wald
Jannis Pfendtner
Waldreferent
Blog

Ungebrochen geht die Abholzung im polnischen Wald von Bialowieza weiter. In dem einmaligen Naturerbe - Teile davon gelten als der letzte Tiefland-Urwald Europas - wird seit fast einem halben Jahr gefällt. Auch die lokalen Proteste gehen weiter. Nach Berichten vor Ort wurde eine 16-Tage andauernde Blockade aus dem Protestcamp brutal aufgelöst, mehrere Menschen geschlagen. Eine Aktivistin musste ins Krankenhaus gebracht werden.
Eine tragische Nachricht kommt hinzu: Ein Mann verbrannte sich öffentlich auf einem Platz in Warschau. In seinem Abschiedsbrief schrieb er, dass er gegen die Regierung ein Zeichen setzen wollte, und auch gegen die Zerstörung der Natur.

Umweltminister Szyszko trat unterdessen vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf, wo eine Klage gegen die Fällungen läuft. Das oberste europäische Gericht hatte Polen schon Ende Juli einen sofortigen Stopp aller Arbeiten angeordnet, doch dies wurde bis heute nicht eingehalten. In der Vergangenheit betonte das Ministerium die Fällungen wegen des Schutzes vor dem Borkenkäfer durchzuführen, was fast einhellig als Vorwand bewertet wird. Da sich die Beweise inzwischen häufen, dass auch sehr alte Bestände gefällt werden, lies er sich nun etwas Neues einfallen: Er behauptete, dass die Daten der Europäischen Kommission „manipuliert“ seien, und meinte, dass es vielleicht zu einer Cyberattacke gekommen sei, wie ClientEarth berichtet.

Die Wild Poland Stiftung hatte vor wenigen Wochen Zahlen veröffentlicht, dass ca. 40% der Abholzung in über 100-Jahre alten Beständen stattfinden, also entgegen der EuGH-Verfügung. Die Umweltschützer*innen vor Ort befürchten auch, dass dieses Jahr schon 180.000 m3 Holz entnommen wurden – viermal so viel wie im ursprünglichen Management-Plan vorgesehen.

Mit dem Urteil des EuGH wird nun bald gerechnet. Es bleibt zu hoffen, dass hohe finanzielle Strafen die Zerstörung des Waldes, dieses einmaligen polnischen und europäischen Naturerbes, beenden können.