System Change not Climate Change

G20-Gipfel: Die Klimabotschaft kommt von unten

11. Juli 2017
Verschiedenes
Jannis Pfendtner
Blog

Dafür also das ganze Brimborium: Zehntausend Gipfelteilnehmer*innen, zwanzigtausend Polizist*innen, tagelanges Verkehrschaos,  Polizeirepression und eine Stadt außer Kontrolle. Im neunzehnseitigen Abschlusskommuniqué der G20 wird als großer Erfolg festgehalten, dass 19 der 20 Länder und EU ihr Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen bekräftigen. Außerdem wird zur Kenntnis genommen, dass die USA aus dem Abkommen aussteigen. Nichts Neues also: Die einen bekennen sich zu nichts Weiterreichendem als vorher, und die USA können nicht von ihrem zerstörerischen Irrweg abgebracht werden.

Doch auch in den anderen G20-Ländern ist eine konsequente Umsetzung des Abkommens kaum zu erwarten. Da spricht nämlich schon der erste Absatz des Papiers Bände. Hier wird die Behauptung aufgestellt, dass eine „starke Wirtschaft“ zu einem gesunden Planeten gehört. Was das für die G20 bedeutet: „Innovation, nachhaltiges Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen“. Die Worte „Umbau der Wirtschaft“, „Vorrang der Lebensgrundlagen“ oder „Verringerung umweltschädlicher Produkte“ findet man hier nicht.

Unbestritten ist ja, dass erneuerbare Energien, neue Mobilitätsansätze und Naturschutz auch Arbeitsplätze schaffen können. Allerdings kann das alleine nicht den Planeten retten, wenn umweltzerstörerische Wirtschaftsbereiche nicht schnell umgestellt werden, und weiterhin neue Bedürfnisse geschaffen werden, damit neue Märkte entstehen. Wieder einmal wird das Dogma des Wachstums über die grundlegende Vernunft gestellt: Dass die Spezies Mensch nur unter gewissen Bedingungen auf dem Planeten leben kann, und dass dafür gesorgt werden muss, dass diese Bedingungen erhalten bleiben.

Dieser einfache Grundsatz wird aber nicht ausreichend berücksichtigt, auch nicht von der „Klimaregierung“ Deutschlands. Hier müsste der Konflikt mit der starken Autoindustrie, mit der Flugindustrie, mit der Kohleindustrie jetzt gesucht werden. Denn den Planeten rettet man nicht mit Wohlfühlbotschaften und Gipfelfotos. Die ganzen Tage haben uns also – wie zu erwarten – nicht weitergebracht. Bleibt zu hoffen, dass der große Protest und die engagierte Klimabewegung ein Signal in die Welt gesendet haben, das nachhaltiger wirkt als die Zeilen des Abschlusskommuniqués: Als Antreiber für mehr Druck auf Regierungen und Unternehmen, als Motivator für Umwelt- und Klimabewegung weltweit.