Hambacher Forst im September 2018

Hambi ist und bleibt überall!

Zwei Wochen nach Beginn der Räumung im Hambacher Forst geht der Widerstand weiter

27. September 2018
Energie
Ronja Heise
Fachreferentin Energie
Blog

Vor zwei Wochen begann die Räumung der Waldbesetzung im Hambacher Forst. Zwei ereignisreiche und aufwühlende Wochen liegen hinter uns. Doch auch wenn viele der Baumhäuser mittlerweile geräumt sind – der Konflikt um den Wald und um die Kohle geht weiter und wird sich weiter zuspitzen.

Die letzten Wochen waren immer wieder geprägt von Wut und Trauer: über ein Unternehmen, das ungeachtet aller politischen, finanziellen und menschlichen Kosten sein Profitinteresse verfolgt; über eine Politik, die die Interessen eines Konzerns mit aller Macht des Staatsapparats durchzusetzen versucht und sich auch für haarsträubende Ausreden und Verleumdungen nicht zu schade ist; über die Zerstörung, die dem Jahrtausende alten Wald schon jetzt angetan wurde; und dann, letzten Mittwoch, über den schrecklichen tödlichen Unfall des Journalisten Steffen Meyn im Wald und darüber, wie nur wenige Tage danach unter anderem NRW-Innenminister Reul seinen Tod für eine Rechtfertigung weiterer Räumungen missbrauchte.

Gleichzeitig gab es auch immer wieder das Erleben von Stärke und Hoffnung und das Gefühl, dass sich gerade etwas ganz Großes bewegen könnte: ob durch die beeindruckenden Menschen vor Ort, die trotz aller Provokationen ihren Körper einsetzen, um den Wald zu schützen; ob durch die breite Aufmerksamkeit in Medien und weltweiten Solidaritätsbekundungen oder durch die unzähligen Menschen, für die der Hambi in den vergangenen Wochen zu dem Punkt geworden ist, an dem sie gesagt haben ‚so nicht‘ und die das erste Mal selber aktiv geworden sind.

Mit ihrer starrsinnigen Machtdemonstration haben RWE und die NRW-Landesregierung sich verkalkuliert. Ja, mit dem größten Polizeieinsatz in der Geschichte des Landes konnten sie die Baumhäuser der Waldbesetzung räumen und dem Wald schon jetzt erheblichen Schaden zufügen. Aber den Kern der Auseinandersetzung – in dem es um Klimagerechtigkeit statt weiterer Kohlenutzung geht und um Gemeinwohl statt um private Profitinteressen – werden sie damit nicht gewinnen. Im Gegenteil. Mit ihrem rücksichtslosen Vorgehen haben sie dazu beigetragen, dass die Anti-Kohle-Bewegung stärker, breiter und besser vernetzt ist als je zuvor. Gemeinsam sind wir entschlossen, weiter zu kämpfen – für den Hambacher Wald und für alles, wofür er steht. Wir werden so lange Druck machen, bis das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet und der letzte Tagebau geschlossen ist. Denn der Hambi ist und bleibt überall!

In den nächsten Tagen und Wochen wird es viele Möglichkeiten geben, sich für den Hambi und den Kohleausstieg einzusetzen:

Jeden Sonntag: Waldspaziergänge im Hambacher Forst

Die Spaziergänge mit Waldpädagoge Michael Zobel finden aktuell jeden Sonntag statt. Sie werden zu großen und starken Demonstrationen gegen die Räumung und Rodung – mit zuletzt über 7.000 Teilnehmer*innen.

30. September: Dezentraler Aktionstag

Am 30. September wird es einen dezentralen Aktionstag für den Hambacher Forst und für einen sofortigen Kohleausstieg geben. Ob Mahnwachen, Infostände oder Soli-Aktionen jede*r kann sich vor Ort einbringen.

6. Oktober: Große Demo am Hambacher Forst

Umweltverbände rufen gemeinsam zur Großdemo ‚Wald retten – Kohle stoppen!‘ am Hambacher Forst auf. Aus vielen Städten bundesweit werden Busse organisiert. Auch ROBIN WOOD-Aktive werden vor Ort sein.

6. Oktober: erste Ende Gelände-Aktion

Das Aktionsbündnis Ende Gelände ruft für den gleichen Tag wie die Demo zu einer zusätzlichen Aktion am Hambacher Forst auf. Mit roten Hängematten wird symbolisiert: Den Wald denen, die daran hängen!

25.-29 Oktober: zweite Ende Gelände-Aktion

Auch für Ende Oktober lädt Ende Gelände zu einer Aktion zivilen Ungehorsams - für den Erhalt des Hambacher Forsts und für einen Kohleausstieg jetzt. Busse und ein Sonderzug werden organisiert, in vielen Städten wird es vorab Informationsveranstaltungen und Aktionstrainings geben. Und auch diejenigen, die nicht selber in Aktion treten wollen oder können, können tatkräftig mit unterstützen: ob mit Fahrdiensten oder dem Betreuen von Mahnwachen.