Palmöl produzierende Länder unter Druck

Indonesien und Malaysia zeigen sich zutiefst besorgt, dass die EU ein generelles Verbot von Palmöldiesel durchsetzen könnte.

18. Juli 2017
Tropenwald
Tina Lutz
Tropenwaldreferentin
Blog

Agrokraftstoffe im Allgemeinen aber vor allem auf Basis von Palmöl haben einen enormen Imageverlust erlitten. Insbesondere in Europa setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass Agrokraftstoffe keinesfalls so klima- und umweltfreundlich sind, wie es zu Beginn des Biodiesel-Booms schien. Im Gegenteil - der Anbau von Ölpalmen zum Beispiel ist maßgeblich verantwortlich für den Klimawandel und die Vernichtung der Tropenwälder. Palmöldiesel ist drei mal so klimaschädlich wie fossiler Diesel und damit die schlechteste Wahl unter den Agrokraftstoffen. Neue Studien zeigen aber, dass alle landbasierten Agrokraftstoffe, also Kraftstoffe aus Feldfrüchten wie zum Beispiel Soja, Raps, Mais oder Holz schlechter abschneiden als herkömmliche Kraftstoffe, wenn man konsequent alle ökologischen Auswirkungen berücksichtigt.

Nachdem das Europäische Parlament im April forderte, den Einsatz von Palmöl in Biodiesel schnellstmöglich zu verbieten, hat nun die französische Regierung angekündigt, den Einsatz von Palmöl in Biodiesel reduzieren zu wollen. Auch die norwegische Regierung hat beschlossen, in der öffentlichen Beschaffung keinen Palmöldiesel mehr zu verwenden. Diese Vorhaben werden mit dem Klima- und Regenwaldschutz begründet. Und auch wenn sie nicht konsequent zu Ende gedacht wurden und zum Teil ein Hintertürchen für vermeintlich nachhaltiges Palmöl offen lassen, machen sie die Palmöl-Herkunftsländer insbesondere Indonesien und Malaysia extrem nervös. Beide Länder zeigen sich extrem besorgt, dass die EU diesen Forderungen folgen und einen schnellen Ausstieg aus den klima- und umweltschädlichen Agrokraftstoffen und hier vor allem aus dem Palmöldiesel beschließen könnte. Derzeit wird in Brüssel die Erneuerbare-Energien-Richtlinie überarbeitet und damit der Rahmen für die Biokraftstoffpolitik bis 2030 festgelegt. Die EU ist nach Indien der wichtigste Absatzmarkt von Palmölproduktion. 4,37 Mio. Tonnen exportierte Indonesien letztes Jahr hierher. Knapp die Hälfte davon landet inzwischen im Tank. Ob man will oder nicht: In jeder Dieseltankfüllung steckt mittlerweile ein Stück Tropenwald.

Die indonesische Regierung spricht offen von einem Handelskrieg. Die ökologischen Gründe seien nur vorgeschoben. Im Grunde ginge es darum, den europäischen Markt vor Palmölimporten schützen zu wollen. In Regierungskreisen wird bereits mit einem Boykott von europäischen Firmen wie Airbus gedroht. Umwelt-NGOs stehen in Indonesien nun noch mehr unter Druck als zuvor. UmweltaktivistInnen, die sich kritisch zu Palmöl äußern, werden als ausländische Agenten diffamiert, die die einheimische Palmölindustrie zerstören wollen.

Ob es aber tatsächlich zu einer deutlichen Verschärfung der EU-Agrodieselpolitik kommt, ist bisher alles andere als sicher. Die EU-Kommission und mehrere Mitgliedstaaten zeigen bisher keinerlei Ambitionen, um den Einsatz von Palmöl oder anderen umweltschädlichen Agrokraftstoffen entscheidend einzudämmen. Bisher ist nur von einer minimalen Reduktion die Rede. Insbesondere einige osteuropäischen Mitgliedstaaten wollen verhindern, dass der Einsatz von Agrokraftstoffen aus Ackerfrüchten gedeckelt wird. Aber auch in Frankreich, Belgien, Österreich, Italien und Spanien gibt es starke Kräfte, die ihrer Landwirtschaft den bisher sehr lukrativen Bereich des Pflanzenanbaus für Agrokraftstoffe erhalten wollen. Hinzu kommt, dass Italien und Spanien zu den größten Produzenten von Palmöldiesel in Europa gehören und hier deshalb ein weiteres wirtschaftliches Interesse gegen eine ambitionierte Reduktion oder gar ein Verbot besteht.