Auf dem Weg ins Solarzeitalter

09. Februar 2023
Energie
Florian Kubitz
Experte Solarenergie
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Magazin

Die Bundesregierung hat die Förderung für Photovoltaik-Anlagen erhöht und einige bürokratische Hürden abgebaut. Immer mehr Anlagen werden gebaut. Aber reicht das, um das 1,5-Grad- Ziel zu erreichen? Was kann noch getan werden, um den Ausbau weiter zu beschleunigen? Ein Überblick zur aktuellen Lage der Photovoltaik in Deutschland.

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2030 den Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung auf ca. 80 Prozent zu erhöhen. Um das zu erreichen, sollen Photovol­taik und Windenergie deutlich schneller ausgebaut werden.

Konkret möchte die Bundesregierung bei der Photovoltaik einen Zubau von sieben Gigawatt (GW) 2022, neun GW 2023, 13 GW 2024 und 18 GW 2025 erreichen. Ab 2026 soll dann ein jährlicher Zubau von 22 GW erzielt werden. So soll die installierte PV-Leistung von ca. 60 GW Ende 2021 auf 215 GW 2030 steigen und die Photovoltaik einen Anteil von 30 Prozent am Strommix erreichen. Gegenüber dem bisherigen Niveau (2020 und 2021 jeweils ca. fünf GW) soll der PV-Zubau also bis 2026 mehr als vervierfacht werden. Auch die Windenergie soll schneller ausgebaut werden. Hier hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, bis 2030 115 GW an Land und 30 GW auf See zu installieren. Die Regierung behauptet, diese Ziele seien konsequent auf das Erreichen des 1,5 Grad-Pfades nach dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgerichtet.
Zu einem anderen Ergebnis kommt eine Studie der HTW Berlin unter dem Titel „Solarstromausbau für den Klimaschutz“. Demnach ist ein deutlich höherer Ausbau von Wind- und Solarenergie erforderlich, damit Deutschland seinen Anteil zu einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,7 Grad erbringt (siehe Grafik rechts).

Einspeisevergütung steigt

Die Bundesregierung hat im neuen Erneuerbaren-Energien-Gesetz festgelegt, dass der Ausbau von Erneuerbaren Energien von „überragendem öffentlichen Interesse“ und wichtig für die „öffentliche Sicherheit“ ist. Diese erst einmal markigen Worte sind aber auch praktisch von großem Nutzen. So werden die Erneuerbaren Energien damit im Vergleich zu anderen Interessen höher gewichtet. Und es ist so eine deutliche Erleichterung von Gerichtsverfahren im Planungsprozess zu erwarten.

Als erste konkrete Maßnahme wird die Einspeisevergütung für PV-Strom deutlich angehoben. Außerdem wird eine höhere Vergütung bei Volleinspeisung eingeführt, so dass PV-Anlagen auch auf Gebäuden errichtet werden können, in denen nicht nennenswert Strom verbraucht wird.
Für PV-Anlagen werden weitere Flächen zur Verfügung gestellt. So ist es zukünftig möglich, auf dem gleichen Dach eine Anlage zur Eigenversorgung und eine zweite Anlage zur Volleinspeisung zu errichten. Hausbesitzer*innen, deren Dach nicht geeignet ist, können Anlagen bis zu einer Größe von 20 kWp auch im Garten errichten. Die Flächen zur Errichtung von Freilandanlagen neben Autobahnen und Schienenwegen werden von bisher 200 Meter auf 500 Meter erweitert.
Eine besonders wichtige Maßnahme: Die Bundesregierung hat in vielen Bereichen Bürokratie abgebaut, um den Ausbau von PV-Anlagen zu beschleunigen. So werden PV-Anlagen bis 30 kWp von der Einkommenssteuer und der Mehrwertsteuer befreit. Durch den Wegfall der EEG-Umlage entfällt auch die Umlage auf den selbstgenutzten Strom: die viel kritisierte Sonnensteuer. Auch der Netzanschluss von PV-Anlagen soll vereinfacht werden. Zudem können Bürgerenergiegesellschaften ihre Wind- und Solarprojekte ohne Teilnahme an den komplizierten Ausschreibungsverfahren realisieren.

Erste Erfolge

Im Jahr 2022 sind nach Zahlen der Bundesnetzagentur bis Ende Oktober PV-Anlagen mit rund 6,1 GW errichtet worden. Die von der Bundesregierung angestrebten sieben GW dürften im Jahr 2022 also erreicht werden.
Für das Jahr 2023 rechnen die Übertragungsnetzbetreiber damit, dass rund 8,5 GW zugebaut werden, die über das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert werden. Da viele PV-Freiflächenanlagen mittlerweile ohne Förderung errichtet werden, dürfte der Gesamtzubau damit bei rund zehn GW liegen und damit sogar höher als von der Bundesregierung angestrebt.

Eine weitere erfreuliche Entwicklung gibt es bei den Kosten der EEG-Förderung. Nachdem die EEG-Umlage Mitte 2022 abgeschafft wurde, sollte die Förderung aus Steuermitteln finanziert werden. Aufgrund der aktuell hohen Strompreise sind allerdings die Kosten für die Einspeisevergütungen des EEG-Stroms niedriger als die Erlöse, die die Netzbetreiber mit der Vermarktung des Stroms erzielen. Anstatt Steuermittel einzusetzen, entsteht auf dem EEG-Konto ein Überschuss. Für 2023 werden 3,6 Milliarden Euro erwartet. Dieses Geld könnte nun verwendet werden, um den Klimaschutz wirksam voranzubringen.

Wo hakt es noch?

Die Ziele der Bundesregierung für 2022 und 2023 werden also erreicht. Das sind gute Nachrichten, aber kein Grund zum Ausruhen. Denn in den Folgejahren sind deutlich größere Steigerungen im PV-Zubau geplant, die aber deutlich schwieriger zu erreichen sein werden. Außerdem sind die Ziele für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels sowieso zu wenig ambitioniert. Was muss also getan werden, um den PV-Zubau weiter zu beschleunigen? Aus meiner Sicht sind zwei Punkte besonders wichtig:

1. Es fehlt an Personal: Wer heute eine PV-Anlage bestellt, kann froh sein, wenn sie bis Ende 2023 geliefert wird. Den Installationsfirmen fehlt das Personal, um die vielen Anfragen zu bedienen. Wenn das schon beim jetzigen Ausbau von sieben GW der Fall ist, wie soll dann 2026 das Dreifache gebaut werden? Um diesen Mangel zu beheben braucht es dringend eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive für die Energiewende.
2. Bürokratieabbau: Zwar hat die Bundesregierung schon erste wichtige Schritte unternommen, dennoch ist Bürokratie nach wie vor ein großer Bremsklotz für den Ausbau der Erneuerbaren. Von A wie Ausschreibung über B wie Balkonkraftwerk und M wie Mieterstrom bis Z wie Zertifikate gibt es sehr viel Spielraum für Vereinfachungen. Und je weniger die Fachkräfte mit Bürokratie beschäftigt sind, desto mehr können sie sich darum kümmern Solaranlagen zu bauen.

Selbst aktiv werden

Damit kannst du den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen unterstützen:

Errichte eine eigene PV-Anlage: Dazu braucht man nicht zwingend ein eigenes Dach, kleine Anlagen können auch auf dem Balkon angebracht und einfach in die Steckdose gesteckt werden, Stichwort Balkonkraftwerke.

Überzeuge deine Nachbarschaft von PV: Der Solarenergieförderverein hat eine Initiative gestartet, um PV in den Nachbarschaften bekannter zu machen. Gastgeber*innen veranstalten eine Solarparty, Solar-Botschafter*innen bringen das Fachwissen in die Nachbarschaft. Weitere Informationen dazu unter packsdrauf.de.

Baue selbst PV-Anlagen: Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, bilden sich an vielen Orten Solar-Selbstbau-Gemeinschaften/Genossenschaften. Die Idee: gemeinsam Solaranlagen selbst errichten und so das Handwerk entlasten.

Investiere Geld in Erneuerbare Energien

Wer weitere Informationen rund um die Photovoltaik benötigt, kann mich gerne ansprechen. Auch der Solarenergieförderverein hilft gerne kompetent weiter: siehe unter sfv.de.