Wälder in Kraftwerken verfeuern? Nicht mit uns!

17. Februar 2022
Wald
Jana Ballenthien
ROBIN WOOD-Waldreferentin
Magazin

Seit anderthalb Jahren engagiert sich ROBIN WOOD gegen das Verbrennen von Holzbiomasse in Großkraftwerken. Diese unsägliche klima-, arten- und gesundheitsschädliche Praxis der Energiegewinnung ist in vielen Ländern der EU bereits üblich. Der derzeitige EU-Ansatz, Biomasse als „klimaneutral“ einzustufen, basiert auf der irrigen Annahme, dass nachwachsende Wälder alle zuvor durch die Abholzung und Verbrennung verursachten Emissionen unmittelbar wieder aufnehmen könnten. ROBIN WOOD will in Deutschland das Verbrennen von Holz in Kraftwerken verhindern. Im ROBIN WOOD-Magazin erfahren Sie regelmäßig von unseren Protesten, Herausforderungen und Erfolgen. In dieser Ausgabe möchte ich Ihnen wieder berichten, was in der Zwischenzeit passiert ist.


Derzeit laufen in Brüssel Verhandlungen zum EU-Klimapaket „Fit for 55“ sowie zur Novellierung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) und dem Europäischen Handelssystem ETS. Wie diese Instrumente gestaltet werden, wird entscheidend beeinflussen, ob künftig noch mehr Holz zur Energieproduktion verfeuert wird.
 
EU Politik, ick hör dir trapsen – und bin mit dabei!

Eine besonders ereignisreiche Woche erlebte unserer Kampagne gegen die großindustrielle Holzverbrennung Ende November 2021 in Brüssel. Ein kleines Team von ROBIN WOOD traf sich mit Delegierten von 20 internationalen NGOs aus Polen, Schweden, Italien, Portugal, Frankreich, Belgien, Deutschland, Estland, Österreich und Rumänien. Alle Aktivist*innen brachten ihre eigene Protestgeschichte gegen das Verbrennen von Holz in Großkraftwerken mit.

Das Highlight der Woche fand am 15. November statt. Mitten auf dem Place du Luxembourg vor dem Europäischen Parlament drapierten alle Aktiven einen riesigen Stapel Holzstämme, aus dem künstlich erzeugter Qualm quoll. 30 Leute wärmten sich an diesem  „Feuer“ und hielten große Banner und kleine Sprechblasen wie: „Stop Burning Trees!!“ und  „Liars, Liars, Trees on Fire!“ Zahlreiche  Kameras und Mikrofone dokumentierten unseren Protest. Auch an den zwei Folgetagen, dem 16. und 17. November, waren wir vor dem Europäischen Parlament vertreten. Unsere Freund*innen vom Komitee für schöne Luft aus den Niederlanden zeigten auf einem riesigen Bildschirm Bilder der Waldzerstörung und kleine Informationsvideos. Hier kamen wir mit einigen Mitgliedern des Europäischen Parlaments über die schädliche großindustrielle Verbrennung von Holz ins Gespräch.

Die Aktiven fanden klare Worte an Frans Timmermans, den Vizepräsidenten der EU Kommission: Stoppen Sie das Verbrennen von Holz für unsere Energie! Direkt neben dem Truck waren wir mit einer Poster-Ausstellung zu den wundervollen Ökosystemleistungen von Wäldern vertreten. Mit dem Haupteingang des Europäischen Parlaments im Hintergrund war dies wirklich ein historischer Ort und Moment für eine ROBIN WOOD-Ausstellung.

Netzwerke knüpfen – denn nur gemeinsam sind wir stark!

Gemeinsam mit unserem großen und starken Netzwerk aus Bündnispartner*innen, mit denen wir gemeinsam die qualmende Aktion am Montag organisiert hatten, erlebten wir einige faszinierende und ereignisreiche Tage unter Freund*innen und lernten viel von den Protestkampagnen in anderen Mitgliedstaaten. Wir kamen mit dem guten Gefühl nach Hause, dass wir tatsächlich etwas bewirken können. Neben unseren Bündnispartner*innen trafen wir während der Woche in Brüssel mehrere EU-Parlamentarier*innen in längeren Meetings, um sie über die katastrophalen Auswirkungen der großindustriellen Holzverbrennung zu informieren und ihre Einschätzungen dazu zu erfahren. Unsere Begegnungen und Gespräche machten Hoffnung, dass die letzten Worte in der EU-Klimapolitik und bezüglich der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU noch nicht gesprochen sind.

Regierungswechsel in Deutschland – großindustrielle Holzverbrennung adé?

Robert Habeck als neuer Bundesminister für Energie und Klima bezeichnete schon im letzten Jahr im Kreise von Fachpolitiker*innen seiner Partei die Verfeuerung von Holz in Kohlekraftwerken ganz richtig als klima- und ressourcenpolitischen Irrsinn. Und der neue Bundesagrarminister Cem Özdemir sprach sich am 17. Dezember 2021 während seines ersten Besuchs in Brüssel klar für den Erhalt der bestehenden Wälder aus und betonte ihre Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel. Die neue Umweltministerin Steffi Lemke machte sich für die Wasserspeicherfähigkeit, die lokale Temperaturregulierung und andere Ökosystemfunktionen struktur- und artenreicher Wälder stark. Zumindest dürfen wir also darauf hoffen, dass im Kreise dieser Bundesminister*innen über Kritik an der schädlichen Holzbiomasseverbennung hinaus eine Waldpolitik entwickelt wird, die um einiges mehr unseren umweltpolitischen Forderungen entspricht als die der Vorgängerregierung.

Auch deshalb war es uns ein Anliegen, noch vor dem Jahreswechsel etwas Wissen über die Waldzerstörung in die neue Regierung zu tragen. Am 23. Dezember 2021 schickten wir Bundesminister Robert Habeck gemeinsam mit 26 weiteren Umweltorganisationen aus der ganzen Welt mit einen offenen Brief. Wir forderten ihn auf, angesichts der Klimakrise seine Verantwortung für den globalen Waldnaturschutz tatsächlich wahrzunehmen. Insbesondere muss Habeck sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, alle Anreize zu streichen, Holzbiomasse zur Energieerzeugung einzusetzen. Auch im Jahr 2022 bleiben wir dran und tun alles dafür, dass Holz auf EU-Ebene nicht mehr länger als erneuerbar gewertet wird und in Deutschland erst gar keinen Platz im Energiemix erhält!

Wer mehr über das Desaster der Holzbiomasseverbrennung lesen möchte: Jana Ballenthien veröffentlichte zusammen mit Kenneth Richter vom NABU im gerade erschienen Kritischen Agrarbericht 2022 den Artikel „Holz – die neue Kohle? Warum Europa immer mehr Wälder aus aller Welt verfeuert“ (Kapitel 7). Auch der Rest des Berichtes betrifft viele unserer Themen und ist wärmstens zu empfehlen!
https://www.kritischer-agrarbericht.de/2022.411.0.html

Mach mit!
Ein Ziel von ROBIN WOOD ist es, alle Menschen dazu zu befähigen, selbst aktiv zu werden. Ein Schritt in diese Richtung ist unsere neue gemeinsam mit unseren Partner*innen von Biofuelwatch aus Großbritannien entwickelten Ausstellung zur Holzverbrennung in Großkraftwerke und deren Auswirkungen. Ihr könnt sie euch online anschauen, herunterladen und in euren eigenen Netzwerken ausstellen und verbreiten. Lasst euch hier dazu inspirieren:

https://www.robinwood.de/blog/poster-ausstellung-klimakiller-pellet