Greenwashing: RSPO verschleiert klaren Zusammenhang von Tropenwaldbränden und Palmölindustrie

25. Mai 2016
Tropenwald
Pressemitteilung

ROBIN WOOD übt scharfe Kritik am Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil). Nach den Standards des RSPO wird Palmöl als angeblich nachhaltig zertifiziert. Eine neue Analyse der Umweltorganisation zeigt jedoch, dass der RSPO Statistiken über die verheerenden Regenwaldbrände in Indonesien im vergangenen Jahr verzerrt darstellt und auf diese Weise offenbar versucht, die Palmölindustrie vom Vorwurf der Landnahme durch Brandrodung reinzuwaschen. ROBIN WOOD fordert den RSPO auf, die verzerrenden Darstellungen öffentlich richtig zu stellen und die systematische Tropenwaldvernichtung für neue Palmölflächen auch auf RSPO-Flächen zuzugeben.

ROBIN WOOD hat Zahlen analysiert, die der RSPO unter dem Titel „RSPO statement on the Indonesian forest fires“ im Dezember 2015 auf seiner Website veröffentlichte.

Demnach hätten von 1.643 Brandereignissen nur 61, also ca. vier Prozent, in Konzessionsgebieten für Palmöl stattgefunden und nur in zwei Fällen auf RSPO-Konzessionsflächen. Dadurch wird der Eindruck erweckt, die Brände hätten mit Palmöl kaum etwas zu tun – und mit dem RSPO noch weniger. Eine Überprüfung dieser Statistik durch ROBIN WOOD offenbart jedoch ein völlig anderes Bild.

Der RSPO verwendete Zahlen des unabhängigen Instituts Global Forest Watch (GFW). Anstatt jedoch den gesamten Zeitraum der Brände von Anfang August bis Ende November 2015 zu betrachten, beschränkte sich der RSPO auf den Zeitraum vom 1. bis 30. November 2015, dem Beginn der Regenzeit. Im relevanten Zeitraum (1.8.-30.11.2015) protokollierte GFW in Indonesien über 25.000 bedeutsame Brände –  rund 15mal mehr, als der RSPO erwähnt.

Zugleich fasst der RSPO den geographischen Bezugsraum über alle Inseln Indonesiens unbegründet groß. Dies führt im Ergebnis zu einem enormen Verdünnungseffekt. Tatsächlich liegen die meisten Palmöl-Konzessionen in Kalimantan, wo sich auch in jüngerer Zeit die meisten Konflikte wegen Landrechtsverletzungen abspielten. Im relevanten Zeitraum von August bis November 2015 wurden allein auf Kalimantan über 12.000 bedeutsame Brandereignisse gemeldet. Fast 2.400mal brannte es dort auf Palmöl-Konzessionsflächen. Das sind mehr Brände, als der RSPO für ganz Indonesien präsentiert. 100 Brände fanden auf Flächen des RSPO statt, also 50mal mehr als der RSPO nennt. Brandrodungen sind eine weit verbreitete Methode, um Flächen für den Palmölanbau vorzubereiten. Es brannte in Palmölkonzessionsgebieten fast viermal häufiger als auf anderen Flächen – die vernichtenden Brände von 2015 korrelieren also ganz deutlich mit den aktuellen Gebieten der Landnahme für Palmöl.

„Der RSPO hat die Kettensäge an die glaubwürdigen Zahlen von GFW gesetzt. Der Teil der Wahrheit, der nicht passte, wurde einfach abgesägt“, kommentiert Sven Selbert, Tropenwald-Referent bei ROBIN WOOD. „Die Plantagenwirtschaft ist seit Jahren die treibende Kraft hinter illegalen Brandrodungen. Der RSPO ist eine Institution der Palmölindustrie. Das Siegel bietet Verarbeitern wie Wilmar, Unilever, Mars und Nestlé hierzulande die Möglichkeit, sehr billig unter den Deckmantel der Nachhaltigkeit zu schlüpfen. Die Tropenwaldvernichtung stoppt es nicht.“

Im Herbst 2015 gingen Bilder von brennenden Tropenwäldern in Indonesien und asiatischen Städten im dichten Smog um die Welt. 20.000 Quadratkilometer Regenwald, eine Fläche vergleichbar mit der Größe des Bundeslandes Sachsen, wurde eingeäschert. Die Weltbank schätzte den finanziellen Schaden der verheerendsten Tropenwaldbrände seit 1997 für die indonesische Wirtschaft auf mehr als das Doppelte der Kosten des Wiederaufbaus in der Region Aceh nach dem Tsunami 2004.Kontakt:
Sven Selbert, Tropenwaldreferent, Tel. 0170 / 47 20 498, tropenwald(at)robinwood.de

Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 22, presse(at)robinwood.de

Einpflanzen von Ölpalmen-Setzlingen nach Brandrodung
Ardiles Rantes, Greenpeace