
Papierindustrie setzt auf klima- und umweltschädliche Holzenergie
Umweltorganisationen fordern Stopp von Subventionen für das Verfeuern von Holz
Die Papier- und Zellstoffindustrie in Deutschland verfeuert in großem Stil Holz zur Energieerzeugung, obwohl dies Klima und Artenvielfalt erheblich schadet. Dies zeigen Recherchen, die ROBIN WOOD und Biofuelwatch zum heutigen internationalen Tag des Waldes veröffentlichen. Die Recherchen sind Bestandteil eines neuen Reports mit Fallstudien zu Biomasse-Investitionen der Papier- und Zellstoffindustrie in der EU, den Biofuelwatch und das Environmental Paper Network ebenfalls heute veröffentlichen. Demnach geht schon jetzt mehr als ein Fünftel des direkt aus der Forstwirtschaft stammenden Holzes, das zur Energiegewinnung verbrannt wird auf das Konto der Zellstoffindustrie. Die Umweltorganisationen fordern daher, die Holzverbrennung nicht länger zu subventionieren.
In Deutschland sind zurzeit mindestens fünf Zellstoff-Fabriken sowie zahlreiche Papierfabriken in Betrieb. Die Zellstoff- und Papierindustrie zählt hierzulande zu den fünf energieintensivsten Branchen. Traditionell verbrennen Zellstoffwerke Reststoffe aus der eigenen Produktion, vor allem Rinde und Schwarzlauge. Diese Reststoffe reichen jedoch bei weitem nicht aus, um den eigenen sehr hohen Energiebedarf zu decken. Neben fossilen Brennstoffen verfeuern Zellstoffwerke daher inzwischen auch immer größere Mengen an Biomasse, darunter auch zugekauftes Holz.
So nahm der Papier-Produzent UPM Comunication Papers im vergangenen Jahr ein großes Holzkraftwerk in Betrieb, das seine Papierfabrik in Hürth bei Köln (NRW) mit Strom und Dampf versorgen sollte. In dem Kraftwerk werden jährlich bis zu 360.000 Tonnen Holz verbrannt, von denen der Großteil aus ganzen Bäumen stammt. Wenige Monate später entschied sich das Unternehmen, die anliegende Papierfabrik zu schließen.
„Das Unternehmen UPM zählt weltweit zu den Giganten der Papierproduktion und wird nun auch noch durchs Waldverbrennen zum Klimakiller. Dabei sind die Wälder durch die zu starke Nutzung sowie durch Schadstoffe und Klimakrise bereits massiv geschädigt. Für den Klima- und auch für den Artenschutz sind wir jedoch auf intakte Wälder angewiesen. Die Industrie muss daher das Verfeuern von Holz stoppen und auf Erneuerbare umsteigen”, sagt Jana Ballenthien, Waldreferentin von ROBIN WOOD.
Bislang aber investieren Unternehmen der Papier- und Zellstoffbranche verstärkt in Pellet- und Holzheizkraftwerke – auch über den Eigenbedarf an Energie hinaus. Auch Mercer International hat im sächsischen Torgau ein Pelletwerk und ein Holzheizkraftwerk erworben, das Strom ins Netz einspeist. Der Papierhersteller Koehler Group hat mit inzwischen fünf Biomassekraftwerken sogar eine neue Sparte zusätzlich zur Papierproduktion eröffnet.
„Papier- und Zellstoffunternehmen können zusätzliche Gewinne erzielen, wenn sie auch außerhalb der eigenen Werke Holz verbrennen, denn der Staat fördert die Holzenergie, u.a. durch das Erneuerbare Energien-Gesetz. Das ist fatal, denn beim Verfeuern von Holz wird nicht weniger CO2 ausgestoßen als beim Verfeuern von Kohle”, erläutert Almuth Ernsting von Biofuelwatch und fordert: „Die neue Bundesregierung sollte dafür sorgen, dass die klimaschädliche Subventionierung der Holzenergie zügig gestoppt wird!”
Kontakt:
- Biofuelwatch: Almuth Ernsting, Tel.: +44-131 6232600, biofuelwatch@gmail.com
- ROBIN WOOD: Jana Ballenthien, Waldreferentin, Tel.: 040 380892-11, wald@robinwood.de; Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel.: 0171 8359515, presse@robinwood.de